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Ban Ki-moon : Zwischen Guten und Bösen

Ban Ki-moon Bild: dpa

Ban Ki-moon ist laut UN-Charta der „höchste Verwaltungsbeamte“ der Vereinten Nationen. Man könnte auch sagen: Der Sekretär. Das lassen ihn die Staatschefs spüren.

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          Ban Ki-moon schafft es nicht oft ins Kino. Es rufen ja Tag und Nacht Präsidenten, Minister und Missionschefs bei ihm an, aus allen Zeitzonen. Aber wenn es klappt, drei oder viermal im Jahr, dann guckt der Generalsekretär der Vereinten Nationen Action-Filme aus Hollywood. „Es gibt so viele komplizierte Dinge in meinem Hirn“, hat er kürzlich verraten, da könne er sich nur entspannen, wenn es mal „klare Grenzen zwischen Gut und Böse gibt“.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Wer den Neunundsechzigjährigen ein bisschen kennt, der kann sich gut vorstellen, dass Ban im Kino ins Träumen gerät. Einmal so richtig aufräumen, und danach ist alles gut! Der leise, aber disziplinierte und ehrgeizige Koreaner, der sich beharrlich für unterschätzt hält, will daran gemessen werden, ob er die Welt künftigen Generationen in besserem Zustand überlässt.

          Da ist er stur, obwohl er nach dem Amtsantritt 2007 auf die harte Tour gelernt hat, dass seine New Yorker Behörde keineswegs eine omnipotente Ausgabe des Seouler Außenministeriums ist, das er früher leitete. Viel zu entscheiden hat Ban eigentlich nicht. All die Guten, die Bösen und die Zwischengutundbösen, die jetzt wieder für eine Woche Weltpalaver nach Midtown Manhattan kommen, lassen es ihn spüren: Sie sind die Chefs.

          Loben oder verurteilen

          Er ist der Sekretär – laut UN-Charta der „höchste Verwaltungsbeamte“ der Weltorganisation. An einem durchschnittlichen Tag führt das zu fünf bis zehn Pressemitteilungen, in denen Ban Ki-moon gute Entwicklungen wie Dialogofferten oder Abschlussberichte begrüßt und böse Angelegenheiten wie Justizwillkür oder Massaker verurteilt.

          Da die dazu meist benutzten englischen Verben „commend“ (loben) und „condemn“ (verurteilen) lauten, kann der flüchtige Leser leicht die Orientierung verlieren. Doch in der Regel hält sich die Zahl der Leser ohnehin in Grenzen. Vor allem, wenn sich die Mitgliedstaaten handlungsunfähig zeigen, finden auch die Mahnungen des Generalsekretariats kaum noch Gehör.

          Außer manchmal. Als Barack Obama vor knapp einem Monat für Militärschläge gegen das syrische Regime warb, verwies Ban auf die UN-Charta: Keine Einmischung ohne Genehmigung des Sicherheitsrats. In New York hat es manche überrascht, dass Ban die Charta wichtiger nahm als die Wünsche des Weißen Hauses. Obama und sein Außenminister John Kerry revanchierten sich, indem sie wochenlang kein gutes Haar an der Mission der Chemiewaffenfachleute ließen, die erst fünf Tage nach dem Giftgasangriff vom 21. August in Ghuta nach Spuren suchen durften.

          Als Geist erschienen

          Ein Mitarbeiter Bans berichtet von dem enormen Druck, unter dem der Generalsekretär während der Woche anschwellenden Kriegsgeheuls gestanden habe, die Inspekteure sofort zurückzurufen. Doch er tat es erst, als das Team meldete, es habe genug Material gesammelt. In New York ließ Ban vorsichtshalber Vermutungen als „grotesk“ zurückweisen, dass mit dem Abzug der Inspekteure ein Angriff der amerikanischen Streitkräfte möglich werde.

          Immerhin leisteten in Syrien immer noch mehr als 4000 UN-Mitarbeiter humanitäre Hilfe, darunter einige Dutzend Ausländer. Aus russischen Äußerungen wurde klar: Ban, der in New York weithin als amerikanische Erfindung gilt, hatte in Moskau Punkte gesammelt. Nach zwei Wochen und zwei Kurswechseln des amerikanischen Präsidenten soll Ban dem russischen Außenminister Sergej Lawrow sogar gleichsam als Geist erschienen sein – und zwar gerade dann, als Lawrow die Genfer Gespräche mit Kerry über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen abbrechen wollte.

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