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Aufnahmeeinrichtung in Bamberg : Übungsplatz für die deutsche Flüchtlingspolitik

Sieben Quadratmeter: So viel Wohnraum steht jedem Flüchtling zu. Bild: Tobias Schmitt

So wie in Bamberg soll künftig überall mit Asylbewerbern verfahren werden: Hier liegt die Blaupause für die sogenannten „Anker-Zentren“. Die Stadt hadert mit ihrer Vorbildrolle.

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          Im Osten Bambergs, auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne der amerikanischen Streitkräfte, lässt sich ein Blick in die Zukunft der deutschen Asylpolitik werfen. Hier liegt, hinter stacheldrahtbewehrten Zäunen und bewacht von Sicherheitspersonal, die „Aufnahmeeinrichtung Oberfranken“ (AEO). Es ist die Blaupause für die sogenannten Anker-Zentren, die bald im ganzen Land entstehen sollen. Die Idee: Bis über den Antrag eines Asylbewerbers entschieden ist, soll er in einer Massenunterkunft bleiben, in der alle wichtigen Behörden zusammensitzen. In Horst Seehofers (CSU) „Masterplan für schnellere Asylverfahren und konsequentere Abschiebungen“ sind solche Zentren ein wichtiges Element. Bis zum Herbst will der Bundesinnenminister die ersten Einrichtungen eröffnen.

          Andreas Nefzger
          Redakteur in der Politik.

          Aber taugt Bamberg tatsächlich als Modell für den Bund? Wer sich in Bamberg umhört, der findet viele, die mit ihrer Vorbildfunktion hadern. Anwohner, die über kriminelle Flüchtlinge klagen. Einen Oberbürgermeister, der inzwischen für seine eigene Obergrenze kämpft. Für den bayerischen Innenminister und Parteifreund Seehofers, Joachim Herrmann, hingegen ist die Sache klar. Herrmann spricht von einer „Vorreiterrolle“ Bayerns: „Es geht nun in erster Linie darum, dass die anderen Länder dem bayerischen Beispiel rasch folgen.“

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