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Bahnreform : „Von England lernen, heißt es anders machen“

  • -Aktualisiert am

Sollen getrennte Wege gehen: Bahn und Schiene Bild: dpa

Verkehrsminister Bodewig solle Großbritanniens Fehler nicht wiederholen, meint die Opposition.

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          Nicht nur in den eigenen Reihen hat Verkehrsminister Kurt Bodewig Zustimmung zu seinen Reformplänen für die Deutsche Bahn geerntet. Auch in der Union und bei den Wirtschaftsverbänden trifft der Regierungsentwurf trotz des warnenden Beispiels aus England auf Zustimmung. Eine Trennung von Schienennetz und Betrieb sei prinzipiell ein Schritt „in die richtige Richtung“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Dirk Fischer, dem Radiosender „FAZ 93,6 Berlin“.

          Fischer warnte aber, wie andere Fachleute auch, vor englischen Verhältnissen. Um Probleme wie in Großbritannien zu vermeiden, dürfe die Privatisierung der Fahrweggesellschaft DB Netz AG „nicht materiell, sondern nur organisatorisch“ erfolgen. Die DB Netz müsse direkt dem Bund unterstellt werden und ohne Ansehen des Betreibers die Schienenwege unterhalten. Damit sichere der Bund den Wettbewerb vieler Anbieter. Nur so könne für steigende Fahrgastzahlen im Bahnverkehr gesorgt werden.

          Chaos auf der Insel

          In der Tat hat die Privatisierung der Bahn auch in England zunächst zu steigenden Fahrgastzahlen, dann aber zu chaotischen Verhältnissen geführt. Warten heißt derzeit die Devise auf Großbritanniens Bahnhöfen, denn Fahrpläne gelten höchstens als Anhaltspunkte für die vermutete Ankunftszeit. Der Grund: Im letzten Herbst hatte der Fahrwegsgesellschaft Railtrack plc. wegen schlampiger Wartung ein Bahn-Unglück mit vier Toten zu verantworten gehabt. Die jahrzehntelang unterbliebene Modernisierung der Gleise muss das Unternehmen jetzt hektisch nachholen. Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf allen wichtigen Strecken sind die Folge - die Fahrgastzahlen sind wegen der stundenlangen Verspätungen aller Bahnbetreiber dramatisch eingebrochen.

          1994 hatte die damalige englische Regierung die Staatsbahn in über 100 Betreibergesellschaften aufgeteilt und den Unterhalt des Netzes der Railtrack zugeschlagen. Die Aktiengesellschaft sollte eigentlich rentabel arbeiten, doch jetzt verlangt der Schienenmonopolist wegen der anstehenden Reparaturen erstmal drei Milliarden Mark an Subventionen vom Staat, um nicht in Liquiditätsprobleme zu kommen. Grund für die schlampige Wartung des englischen Schienennetzes ist die Tarifstruktur zwischen Fahrweggesellschaft und Bahnbetreibern. Oftmals ist es für Railtrack lohnender, weniger Bahnen auf alten Gleisen laufen zu lassen oder den Betreibern gar Umwege aufzuerlegen, weil die dann mehr Kilometer abrechnen müssen.

          Rogowski: „Staat in der Verantwortung“

          Damit die Bahnreform in Deutschland erfolgreicher abläuft, schlägt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, ein anderes Modell vor. Ein neues Konzept müsse zu den benötigten Investitionen für die Infrastruktur führen, so Rogowski: „Hier bleibt der Staat in der Verantwortung.“ Auch CDU-Verkehrsexperte Fischer wendet sich gegen eine Privatisierung des Bahn-Netzes, wie sie etwa die FDP fordert. Die staatliche Infrastrukturaufgabe sei „nicht mit Renditedenken“ vereinbar. Dieser Fehler, der in Großbritannien gemacht worden sei, dürfe nicht wiederholt werden.

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