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+ + + Bagdad Briefing + + + : Mit Assad gegen Isis?

  • -Aktualisiert am

Syriens Präsident Baschar al Assad Bild: AP

Die ersten amerikanischen Soldaten sind in Bagdad eingetroffen. Bald schon dürften gezielte Luftschläge gegen die Dschihadisten im Irak folgen. Washingtons politische Strategie bleibt indes schwach. Geht es auf Dauer ohne Syriens Machthaber?

          Der Auftakt ist gemacht: Mit der Ankunft von 150 amerikanischen Spezialeinheiten in Bagdad in der Nacht auf Mittwoch hat eine neue Phase im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis begonnen. Bis zum Wochenende soll das GI-Kontingent um weitere 150 Mann aufgestockt werden – gerade recht zum geplanten Zusammentritt des neuen irakischen Parlaments Ende Juni, das dem Vorgehen gegen den Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien demokratische Legitimität verleihen soll.

          Sowohl an der Front wie in der Kommandozentrale der irakischen Armee würden die Soldaten stationiert werden, sagte Amerikas Außenminister John Kerry am Dienstag in der irakischen Kurdenhauptstadt Arbil – nur Stunden nachdem die Meldung von einem vermeintlichen amerikanischen Drohnenangriff auf Isis-Stellungen im syrisch-irakischen Grenzgebiet die Runde gemacht hatte.

          Washington dementierte, doch angesichts Dutzender Aufklärungsflüge über dem Irak täglich, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die Militärführung in den Vereinigten Staaten durch gezielte Angriffe beginnen wird, den Vormarsch von Isis zum Stoppen zu bringen. „Ein Militärschlag allein wird den Ausgang nicht ändern“, dämpfte Kerry zugleich allzu große Erwartungen. „Was es braucht, ist eine eigenständige Strategie – im Prinzip eine politische Strategie.“

          Doch das von Präsident Barack Obama eilig durchgedrückte Irak-Konzept steht auf tönernen Füßen. Arabische Zeitungen berichteten am Mittwoch, dass Washington eine Wiederbelebung der sunnitischen Erweckungsräte (Sawha) anstrebe, die auf dem Höhepunkt des sunnitischen Bürgerkriegs 2007 amerikanische Einheiten im Kampf gegen Al Qaida unterstützten.

          Das Problem: Zweieinhalb Jahre nach dem überhasteten Abzug der Besatzungstruppen Ende 2011 stehen die sunnitischen Stämme weitgehend auf Seiten von Isis. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursieren Bilder, die Sawa-Angehörige in Kirkuk zeigen, wie sie Isis die Treue schwören. Sie zum gemeinsamen Kampf mit der als großer Schiitenmiliz verschrienen Armee zu bewegen, scheint ausgeschlossen.

          Nur der Geheimdienst hält die Drähte warm

          Bleibt als zweite Komponente von Kerrys Pendeldiplomatie die wiederbelebte regionale Antiterrorallianz. Mit einer Leerstelle freilich: Syrien. Weil Washington nach den gescheiterten Friedensgesprächen von Genf im Februar keine weiteren Schritte auf Baschar al Assad zugenommen hat, sind es bislang lediglich westliche Geheimdienstvertreter, darunter Repräsentanten des Bundesnachrichtendienstes, die die Drähte nach Damaskus warm halten.

          Doch in Washington hat ein Umdenken bekommen, glaubt man Berichten von Think Tanks wie Al Monitor. „Der Weg, um Isis zu konfrontieren, läuft durch Damaskus“, schreibt dort Geoffrey Aronson. Zehn Monate nach dem Giftgasangriff auf Oppositionsgebiete vor Damaskus könnte deshalb wahr werden, was der frühere amerikanische Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, bereits vor einem halben Jahr forderte: „Wir müssen beginnen, wieder mit dem Assad-Regime zu reden.“ Weil nicht absehbar sei, dass der Diktator in Damaskus gestürzt werde, sei er die einzige Alternative zur Herrschaft des Al-Qaida-Ablegers Isis.

          Eine Lesart, die sich mit den am Mittwoch von Nachrichtenagenturen kolportierten Äußerungen hoher amerikanischer Geheimdienstmitarbeiter deckt. Isis sei „gut aufgestellt“, einen „breiten Streifen Land“ dauerhaft zu halten, wenn die Gegenoffensive nicht bald in die Gänge käme. Dieser Streifen reicht inzwischen von Bagdad bis kurz vor Damaskus.

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