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+ + + Bagdad Briefing + + + : Machtkampf um die Nachfolge Malikis

  • -Aktualisiert am

Entschlossen zum Kampf: Die Mahdi-Armee des früheren früheren Milizenführers Moqtada al Sadr Bild: REUTERS

Im innerschiitischen Machtkampf bringen sich mögliche Nachfolger des Ministerpräsidenten in Stellung. Moqtada al Sadr demonstriert Stärke mit den Kämpfern seiner Mahdi-Armee. Militärisch verlieren die Truppen der Zentralregierung aber weiter an Boden.

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          Der innerschiitische Machtkampf um die Nachfolge Nuri al Malikis hat begonnen. Und das mit voller Wucht: Zu Tausenden schickte Moqtada al Sadr am Wochenende Kämpfer seiner Mahdi-Armee auf die Straßen Bagdads, um Stärke zu demonstrieren. Nicht nur gegen die Sunnitenmiliz Isis und ihre Verbündeten richtete sich der Massenaufmarsch in der Hauptstadt, sondern auch gegen den schiitischen Regierungschef. „Wir sind sicher, dass wir ihn auf verfassungskonformem Weg beseitigen können“, sagte Dhiaa al Asadi von Sadrs Ahrar-Block. „Ihm steht nicht das Recht auf eine dritte Amtszeit zu.“

          Der frühere Milizenführer Sadr hatte Maliki lange politisch unterstützt, sich aber zuletzt von ihm abgewandt und ihn als „Diktator“ bezeichnet. Da der von Iran unterstützte Führer der „Rechtsstaats“-Allianz auf Stimmen kleinerer schiitischer Parteien angewiesen ist, um im Parlament eine absolute Mehrheit hinter sich zu bekommen, könnte Sadrs Massenaufmarsch auch auf andere Alliierte des bedrängten Machthabers Signalwirkung haben.

          Hinter den Kulissen haben sich irakischen Medienberichten zufolge bereits mehrere Kandidaten in Stellung gebracht, die offenbar auf Unterstützung der Regierung Barack Obamas in Washington zählen könnten: Der säkulare Schiit Ayad Allawi, der nach dem Sturz Saddam Husseins erster irakischer Ministerpräsident war; der frühere Vizepräsident Adel Abdul Mahdi vom gemäßigten Hohen Islamischen Rat; aber auch Ahmad Dschalabi, der vor zehn Jahren ein Günstling der Vereinigten Staaten war.

          Malikis schiitische Gegner machten in Interviews am Wochenende jedoch klar, dass die Niederschlagung des von Isis angezettelten Aufstands gegen die Zentralregierung in Bagdad erste Priorität genieße. Hakim al Zamali von Sadrs Ahrar-Block sagte, dass der „Schutz Iraks ganz oben“ stehe. „Offene Rechnungen begleichen wir danach.“

          Militärisch verlieren die Truppen der Zentralregierung jedoch weiter an Boden. Zwar ist der Aufmarsch der Einheiten des Islamischen Staats im Irak und (Groß-)Syrien von Norden den Tigris hinab Richtung Bagdad seit mehreren Tagen zum Stoppen gekommen. Doch am Samstag und Sonntag erzielten die Dschihadisten Erfolge westlich der ohnehin bereits von ihnen kontrollierten Städte Fallduschah und Ramadi in der Provinz Anbar. Bis auf den Militärstützpunkt Ain al Assad in Khan al Baghdadi mussten sich Malikis Soldaten zurückziehen, weil der Vormarsch von Isis entlang des Euphrats aus den Grenzorten zu Syrien, Qaim, Rawah und Ana, mit einer solchen Wut voranging, dass nun auch die Stadt Haditha vor dem Fall steht. Isis stehe in Verhandlungen mit den Stammesführern des Orts, um eine friedliche Einnahme zu sichern, berichteten irakische Beobachter am Sonntag. Der lange Korridor zwischen Euphrat und Tigris, den die Islamistenmiliz vom Nordwesten Iraks bis vor Bagdad kontrolliert, ist nun mehr als 300 Kilometer breit.

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          Der oberste geistliche Führer der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali al Sistani, hat zur Bildung einer „effektiven Regierung“ in Bagdad aufgerufen. Das erhöht den Druck auf Ministerpräsident Nuri al Maliki, dem es seit der Parlamentswahl Ende April nicht gelungen ist, genügend Verbündete für eine Koalition hinter sich zu versammeln. Sistanis Forderung erhob er während des Freitagsgebets, sie enthielt kaum verhüllte Kritik an dem schiitischen Regierungschef. Maliki wird vorgeworfen, mit seiner autoritären Herrschaft viele sunnitische Stammesführer und Angehörige des alten Regimes Saddam Husseins in die Arme der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien getrieben zu haben.

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