https://www.faz.net/-gpf-vy96

Ayaan Hirsi Ali : Die Suche nach Sponsoren für das eigene Überleben

Ayaan Hirsi Ali: „Sie entscheiden über mein Leben” Bild: F.A.Z./Julia ZImmermann

Wer schützt Ayaan Hirsi Ali? Den Haag will die Bewachung der Islam-Kritikerin nicht länger bezahlen und die amerikanische Regierung sieht sich für den Schutz von Privatbürgern nicht zuständig.

          4 Min.

          Wie meistens in den vergangenen drei Jahren, wenn im niederländischen Parlament über Ayaan Hirsi Ali gestritten wurde, war die Betroffene abwesend. Wo sich die frühere Abgeordnete während der Debatte vom Dienstag aufhielt, blieb geheim. Nicht unmöglich, dass der Staat sie wieder in einer Kaserne oder gar in einer Gefängniszelle untergebracht hat:

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          In den Monaten nach der Ermordung von Ayaan Hirsi Alis Freund Theo van Gogh im November 2004 waren dies die einzigen Unterkünfte, die den Sicherheitsbehörden geeignet erschienen, die Islam-Kritikerin vor muslimischen Eiferern zu beschützen.

          Sponsoren für die Bezahlung der Leibwächter

          Vielleicht unterhält die Regierung im dritten Jahr nach der Ermordung van Goghs auch eine würdigere Geheimwohnung, in der sie Frau Hirsi Ali unterbringen konnte, die am 1. Oktober am Flughafen Amsterdam gelandet war. Es gibt auch Gerüchte, dass sich Frau Hirsi Ali am Dienstag schon wieder in Amerika aufhielt, um dort Sponsoren zu suchen. Sie sollen die Leibwächter bezahlen, ohne die sich Ayaan Hirsi Ali auch in ihrer neuen Wahlheimat nicht vor die Tür traut.

          Diesmal debattierten die Abgeordneten in Den Haag nicht wie in den Wochen nach dem Attentat auf van Gogh (als Ayaan Hirsi Ali sicherheitshalber von der niederländischen Luftwaffe nach Amerika ausgeflogen worden war) über deren eigentliches Thema: die Unterdrückung der Frau im traditionellen Islam.

          Genausowenig ging es wie im vorigen Sommer um die Frage, ob sich die gebürtige Somalierin, die 1992 aus dem kenianischen Exil ihrer Familie nach Holland gekommen war, den niederländischen Pass mit Lügen erschlichen habe. Auch beschäftigte die Abgeordneten nur noch am Rande, dass die Justiz im vorigen Jahr den Nachbarn Recht gegeben hatte, die aus Angst um ihre Sicherheit die Politikerin aus ihrer Siedlung vertrieben.

          Kein Schutz für Hirsi Ali

          Diesmal ging es einzig um die Frage, wer die Leibwächter der Niederländerin zu bezahlen hat, die seit gut einem Jahr in Washington für das rechtsliberale Forschungsinstitut „American Enterprise Institute“ (AEI) arbeitet. Die Personenschützer, die Frau Hirsi Ali am Abend des 30. September in der amerikanischen Hauptstadt zum Flughafen brachten, erhielten ihren Lohn noch aus Den Haag. Doch vom 1. Oktober an, so hatte Justizminister Hirsch Ballin mitgeteilt, werde seine Behörde für den Schutz von Frau Hirsi Ali in Amerika nicht mehr sorgen.

          Das Parlament unterstützte den Justizminister mit großer Mehrheit. Der Antrag der Grünen, die Regierung möge Frau Hirsi Ali wenigstens noch etwas länger unterstützen, fand kaum Zustimmung. Um dem Eindruck entgegenzuwirken, es gehe der Regierung allein um die (nicht bezifferten) Kosten des Personenschutzes, argumentierte Hirsch Ballin, die niederländischen Sicherheitsbehörden seien gar nicht imstande, die Gefahrenlage im Ausland einzuschätzen.

          Im Windschatten der „heiligen Ayaan“

          Die Stimmung im Parlament vermochten auch nicht die Appelle zu verändern, die einige von Ayaan Hirsi Alis prominentesten Vertrauten in niederländischen und amerikanischen Zeitungen veröffentlichten. So höhnte der einflussreiche Schriftsteller Leon de Winter, der niederländische Staat finanziere Königin Beatrix klaglos ihre Jacht, weigere sich aber, „eine der wichtigsten Kämpferinnen für die Freiheit im Islam zu schützen“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kampf gegen Corona : Dem Virus davonfliegen

          Die ersten Länder haben damit begonnen, ihre Bürger aus Wuhan ausfliegen. Für die politische Führung in Peking wird die Lage kritisch, viele Chinesen rufen nach Konsequenzen. Dafür geht es dem ersten deutschen Erkrankten besser.
          Ein Landwirt pflügt ein Feld bei Müncheberg in Brandenburg. (Archivfoto)

          Ostdeutsche Landwirtschaft : Die Umwandlung der LPG ist Geschichte

          30 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt die Veränderung der Besitzverhältnisse in Ostdeutschland umstritten. Viele frühere Mitglieder der LPG fühlten sich als private Landwirte um ihre Chancen beraubt.
          Die Spieleentwickler Michael Geithner und Martin Thiele-Schwez

          Kartenspiel zur DDR-Geschichte : „Am Ende verliert die Stasi immer“

          Vor dem Ende der DDR versuchten Stasi-Mitarbeiter, massenhaft Akten zu vernichten. Das ist auch das Ziel eines neuen Spiels: Dokumente verschwinden lassen. Was Spieler dabei über die deutsche Geschichte lernen, erklärt einer der Entwickler im Interview.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.