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Konflikt mit Iran : Der Schlamassel des Präsidenten

Donald Trump verlässt am Mittwoch bei seiner Rückkehr nach Washington die Air Force One. Bild: Reuters

Mit dem Abschuss einer Drohne ist eine neue Stufe in der Auseinandersetzung zwischen Amerika und der Islamischen Republik erreicht. Aus diesem Schlamassel gibt es keinen einfachen Ausweg.

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          Auch bei diesem neuerlichen Vorfall am Golf lässt sich von außen schwer beurteilen, was wirklich geschehen ist. Ob die abgeschossene amerikanische Drohne in den iranischen Luftraum eingedrungen ist oder nicht, wissen nur die Beteiligten, und deren Aussagen widersprechen sich. Allerdings muss man selbst auf eine Verletzung des Luftraums nicht sofort mit militärischer Gewalt reagieren, zumal wenn es sich nur um ein Aufklärungsflugzeug handelt. Den Iranern ging es offenbar auch darum, Stärke zu demonstrieren – und diesmal sogar ganz unverhohlen. Nach den Zwischenfällen der vergangenen Wochen, bei denen Teheran eine Verwicklung noch kategorisch abgestritten hatte, ist eine neue Stufe in der Auseinandersetzung zwischen Amerika und der Islamischen Republik erreicht: Vorher ging es um Tankschiffe von Dritten, jetzt sind die beiden Länder direkt aneinandergeraten.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Dass es so weit gekommen ist, liegt zu erheblichen Teilen an einer undurchdachten amerikanischen Strategie. Trump hat auf der einen Seite den wirtschaftlichen Druck auf Teheran massiv erhöht, auf der anderen Seite aber immer wieder einen Krieg ausgeschlossen. Das ist in der Sache vernünftig, denn ein weiterer Waffengang in dieser bedeutenden Weltregion wäre höchst destabilisierend. Damit können sich die Hardliner in Teheran aber ungefähr ausrechnen, wie weit sie gehen können. Solange Trump ein umfassendes militärisches Vorgehen als ernsthafte Gefährdung seiner Wiederwahl betrachtet, wird ihnen eine Politik der Nadelstiche praktikabel vorkommen. Schon in Afghanistan oder im Irak ließ sich lernen, dass man die Weltmacht mit Mitteln der asymmetrischen Kriegführung ermüden kann.

          Aus diesem Schlamassel gibt es keinen einfachen Ausweg. In Teheran haben die Reformer mit dem Wegfall des Atomabkommens an Einfluss verloren. Trump wiederum wird es sich im Wahlkampf nicht leisten wollen, schwach zu erscheinen. Und in seiner Umgebung, in der sich immer mehr kommissarische Amtsinhaber tummeln, gibt es niemanden mehr, dem man zutrauen würde, eine schwere Krise im Nahen Osten zu bewältigen. Wieder einmal zeigt sich, dass Trump mit seinen hemdsärmeligen Methoden dem ersehnten „deal“ nicht näher kommt, sondern vor allem die Risiken erhöht.

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