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Maas in Afghanistan : Außenminister verspricht Hilfe auch nach dem Truppenabzug

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Der Außenminister in einem A400M der Bundeswehr auf dem Weg von Islamabad nach Kabul. Bild: dpa

Kurz vor Beginn des Abzugs der Bundeswehr reist der deutsche Außenminister nach Kabul. Er verspricht Hilfe für die Zeit nach der militärischen Präsenz und will die stockenden Friedensverhandlungen mit den Taliban unterstützen.

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          Außenminister Heiko Maas hat Afghanistan bei einem Besuch in der Hauptstadt Kabul weitere Unterstützung für die Zeit nach dem Nato-Truppenabzug zugesagt. „Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner an der Seite der Menschen in Afghanistan“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag nach seiner Ankunft. Der Militäreinsatz ende zwar bald, auf allen anderen Ebenen werde das Engagement aber fortgesetzt. „Eine gute und sichere Perspektive für die Afghaninnen und Afghanen zu schaffen, ist in unserem europäischen Interesse. Einen Rückfall in alte Zeiten wollen wir unbedingt verhindern.“

          Maas besucht Afghanistan nur zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des Nato-Truppenabzugs aus Afghanistan. In Kabul wollte er unter anderen Präsident Aschraf Ghani treffen und anschließend das Bundeswehrcamp in Masar-i-Scharif im Norden des Landes besuchen. Der Besuch findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.

          Die Nato hatte vor zwei Wochen entschieden, nach fast 20 Jahren die rund 10.000 noch in Afghanistan verbliebenen Soldaten nach Hause zu holen. Zuvor hatten sich die Vereinigten Staaten als größter Truppensteller darauf festgelegt, bis zum 11. September das Land zu verlassen - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von al Qaida in den New York und Washington. Inzwischen ist eine Verkürzung der Abzugsphase bis zum 4. Juli im Gespräch, dem amerikanischen Nationalfeiertag.

          „Friedensprozess braucht diplomatischen Push“

          Im Mittelpunkt der Gespräche in Kabul sollte schon die Zeit nach dem Abzug stehen. Maas versprach, dass Deutschland die derzeit stockenden Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den militant-islamistischen Taliban weiter unterstützen werde. „Der Friedensprozess braucht einen neuen diplomatischen Push“, sagte er. „Es gibt keine einfache Verhandlungslösung, dennoch bleiben die Verhandlungen die beste Chance auf eine nachhaltige, sichere und stabile Zukunft des Landes.“

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          Der Außenminister sicherte auch weitere zivile Hilfe zu. Dafür hat Deutschland für das laufende Jahr 430 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für die nächsten Jahre bis 2024 wurde die gleiche Summe in Aussicht gestellt. Allerdings will die Bundesregierung die Zahlungen von der weiteren Entwicklung des Friedensprozesses und auch von anderen Faktoren wie der Menschenrechtslage im Land abhängig machen.

          Als offizieller Starttermin des Abzug gilt der 1. Mai. Die Vorbereitungen auf den einzelnen Stützpunkten laufen aber bereits auf Hochtouren - auch bei der Bundeswehr. Deutschland stellt nach den Amerikanern das zweitgrößte Kontingent der Nato-Truppe. Von den 1100 deutschen Soldaten sind etwa 100 in Kabul und rund 1000 nahe der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif stationiert. Das dortige Camp Marmal ist der größte Bundeswehr-Stützpunkt außerhalb Deutschlands.

          Von dort sollen in den nächsten Wochen unter anderem 123 Fahrzeuge und sechs Hubschrauber sowie tonnenweise weiteres Material - insgesamt 800 Containerladungen - nach Deutschland zurücktransportiert werden. Es wird befürchtet, dass die aufständischen Taliban den Abzug mit Anschlägen torpedieren werden. Deswegen werden zurzeit zusätzliche Sicherungskräfte nach Afghanistan geschickt.

          Spätestens Mitte August soll der letzte deutsche Soldat das Camp verlassen haben. Damit wird nach fast 20 Jahren der verlustreichste und teuerste Auslandseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr enden. 59 deutsche Soldaten verloren in Afghanistan ihr Leben, 35 bei Anschlägen oder in Gefechten. Mehr als 12 Milliarden Euro kostete der Einsatz, der ursprünglich der Friedenssicherung dienen sollte und dann zum Kampfeinsatz gegen die aufständischen Taliban wurde. Zuletzt war der Kernauftrag der Nato-Truppe die Ausbildung afghanischer Streitkräfte.

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