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F.A.S. exklusiv : Maas kritisiert Saudi-Arabien im Fall Khashoggi

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Der deutsche Außenminister Heiko Maas Mitte September bei einer Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow Bild: AP

Das Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat zu Spannungen zwischen Washington und Riad geführt. Jetzt schaltet sich auch der deutsche Außenminister in den Fall ein. Und Donald Trump bringt „Bestrafungen“ ins Spiel.

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          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat Saudi-Arabien aufgefordert, den mutmaßlichen Mord am regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi aufzuklären. Maas teilte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) mit, die „Sorge“ um Khashoggi wachse „mit jedem Tag der Ungewissheit. Es muss angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe jetzt unverzüglich aufgeklärt werden, was ihm widerfahren ist.“

          Er, Maas, habe der saudischen Seite klar gemacht, dass sie „alles“ tun müsse, um den Fall aufzuklären. In der Stellungnahme des Ministers für die F.A.S. heißt es weiter: „Wir können uns nicht damit abfinden, dass Journalisten weltweit immer öfter wegen ihrer Arbeit bedroht und angegriffen werden. Das gilt auch für Saudi-Arabien. Das ist nicht akzeptabel. Das gilt auch für Journalisten im Exil.“ Zuvor hatten sich bereits andere westliche Politiker wie etwa der französische Präsident Emmanuel Macron mit mahnenden Worten an Saudi-Arabien gewandt.

          Kolumnist der „Washington Post“

          Am 2. Oktober war Khashoggi für einen bloßen bürokratischen Akt im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul erschienen, wo man ihn Tage zuvor auf diesen Termin vertröstet hatte. Er brauchte eine Bestätigung für die Scheidung von seiner saudischen Ehefrau. Er wollte wieder heiraten, das neue Leben voranbringen, das er außerhalb seines Heimatlandes aufbauen musste, seit er vergangenes Jahr ins Exil ging.

          In Saudi-Arabien war der Journalist, der zuletzt als Kolumnist der „Washington Post“ in den Vereinigten Staaten gelebt hatte, nicht mehr sicher, seit er bei der Führung in Ungnade gefallen war – allen voran beim neuen starken Mann des Königreichs: Kronprinz Muhammad bin Salman, den er immer wieder für den Krieg im Jemen, die Blockade gegen Qatar oder die Repression im Inneren kritisierte.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump drohte im Fall einer Ermordung des verschwundenen Journalisten durch Saudi-Arabien mit einer „harten Bestrafung“. In einem am Samstag vorab in Auszügen veröffentlichten Interview mit dem amerikanischen Sender CBS wandte er sich aber dagegen, einen 110 Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien aufzukündigen. „Ich will keinen Jobs schaden. Ich will eine Bestellung wie diese nicht verlieren. Und wissen Sie was, es gibt andere Wege der Bestrafung – um ein ziemlich hartes Wort zu benutzen.“ Saudi-Arabien ist der weltweit größte Käufer amerikanischer Rüstungsgüter.

          „Wir werden der Sache auf den Grund gehen, und es wird eine harte Bestrafung geben“, sagte Trump zum Verschwinden des saudischen Journalisten: Auf die Frage, ob der Regimekritiker möglicherweise auf Anordnung der saudischen Führung ermordet worden sei, sagte er: „Es wird untersucht, das wird ganz, ganz genau angeschaut, und wir wären sehr aufgebracht und verärgert, wenn das der Fall wäre.“

          Der amerikanische Präsident fügte hinzu: „Zu diesem Zeitpunkt dementieren sie es, und sie dementieren es vehement. Könnten sie es gewesen sein? Ja.“ Er rechne in der „nicht so fernen Zukunft“ mit einer Antwort.

          Saudi-Arabien weist jegliche Mitschuld am Verschwinden Kashoggis von sich und sieht sich durch „falsche Anschuldigungen“ in schlechtes Licht gerückt. Über Medien verbreitete „Lügen“, wonach man den eigenen Staatsbürger habe ermorden lassen, seien vollkommen haltlos, hieß es in einer am frühen Samstagmorgen auf Twitter veröffentlichten Serie von Stellungnahmen des saudischen Innenministeriums.

          Laut amerikanischer und türkischer Medienberichte gebe es geheimdienstliche Informationen, die belegten, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sei. Die türkische Zeitung „Sabah“ berichtete am Samstag, dass der Journalist noch vor Betreten des saudischen Konsulats eine Aufnahmefunktion an seiner Smartwatch eingeschaltet habe, die mit seinem Handy synchronisiert gewesen sei. Seine Ermordung sei so aufgezeichnet worden, berichtete die Zeitung.

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