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Ausschreitungen in Mannheim : Kurdischer Krawall

Vermummte Teilnehmer eines kurdischen Kulturfestes am Samstag in Mannheim. Bei schweren Ausschreitungen wurden 80 Polizisten verletzt Bild: dpa

Es war naiv anzunehmen, dass eine als Kulturfestival getarnte Großkundgebung für PKK-Führer Öcalan ohne Gewalt ablaufen würde. Die Ausschreitungen in Mannheim fallen nun auf die Kurden und ihr Anliegen zurück.

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          Die Kurden sind zurück: In Syrien kämpfen sie gemeinsam mit den Rebellen gegen das Regime Assads, in der Türkei liefern sie sich mit der Armee die blutigsten Kämpfe seit zwei Jahrzehnten. Nun sind in Mannheim bei Ausschreitungen am Rande einer als „kurdisches Kulturfestival“ angekündigten Kundgebung 80 Polizisten verletzt worden.

          Die beiden ersten Konflikte - der Bürgerkrieg in Syrien und die neue Gewalt in der Türkei - hängen zusammen. Denn das kurdische Siedlungsgebiet im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei ist inzwischen unter Kontrolle eines Ablegers der PKK, deren Gründungsvorsitzender Öcalan seit 1999 in einem türkischen Gefängnis einsitzt. Die türkische Armee hat daher ihre Präsenz an der Grenze massiv aufgestockt. Gleichzeitig fordern die Kämpfer der PKK, denen die Entwicklung in Syrien Auftrieb gibt, in den kurdischen Provinzen der Türkei die Armee heraus. Die PKK profitiert davon, dass die Regierung Erdogan ihre politischen Initiativen über Bord geworfen hat und aus Angst vor einem kurdischen Staat im Irak und in Syrien nur noch auf eine militärische Lösung ihres Kurdenkonflikts setzt.

          Der Bürgerkrieg in Syrien hat auf dem Weg über die Türkei nun auch Mannheim erreicht. Das Kurdenfestival war in Wirklichkeit eine Solidaritätskundgebung für Öcalan. Dass aus ganz Europa 40.000 Kurden angereist waren, zeigt, wie populär er weiterhin ist.

          Es war naiv anzunehmen, dass bei dem gegenwärtigen Blutvergießen in Syrien und in der Türkei eine Großkundgebung für Öcalan und die - in Deutschland verbotene - PKK ohne Gewalt ablaufen würde. Ob sich nun Provokateure unter die Teilnehmer gemischt haben oder nicht, bleibt zweitrangig. Die Veranstalter haben jedenfalls keine Vorsorge getroffen, um Krawall zu verhindern.

          Das fällt nun auf die Kurden und ihr Anliegen zurück. Tragen sie ihre Konflikte nach Deutschland, dürfen sie nicht mit Nachsicht rechnen. Gegen Recht und Ordnung hatten sie bereits in den neunziger Jahren verstoßen. Viele Deutsche hatten Sympathie für ihre Forderung nach mehr Freiheiten und Autonomie aufgebracht, bis zu dem Tag im Jahr 1994, als sie - auch damals um Mannheim herum - Autobahnen blockierten und in den Jahren danach in Städten wie Bonn und Dortmund Brandanschläge verübten.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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