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Auslandstürken : Zur Präsidentenwahl ins Olympiastadion

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Das Berliner Olympiastadion wird zu einem Wahllokal für die Deutschtürken umfunktioniert. Bild: dpa

Die Auslandstürken könne erstmals aus der Ferne an der Präsidentschaftswahl teilnehmen. Sportarenen oder Messehallen werden in Deutschland zu gewaltigen Wahllokalen.

          Es ist eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal wird ein neuer türkischer Präsident von den Bürgern direkt gewählt – und zum ersten Mal können die Auslandstürken an der Abstimmung teilnehmen, ohne dafür in die Türkei zu reisen. Während die etwa 51 Millionen Wähler in der Türkei am 10. August an die Wahlurnen treten, findet die Wahl im Ausland schon zwei Wochen vorher statt, nämlich zwischen dem 31. Juli und dem 3. August.

          Dann werden in sieben deutschen Großstädten jeweils etwa 200.000 Türken ihre Stimme persönlich abgeben können, und zwar in Sportarenen oder Messehallen, die zu gewaltigen Wahllokalen umgebaut werden: im Berliner Olympiastadion, in der Frankfurter Fraport-Arena, im Düsseldorfer ISS-Dome sowie auf den Messegeländen von Hannover, Essen, Karlsruhe und München. Damit es zu keinem allzu großen Verkehrschaos kommt, mussten die Wähler sich zuvor auf einer Internetseite einen Termin für ihren Wahlort geben lassen, der ein Zeitfenster von vier Stunden umfasst.

          Doch damit nicht genug der Bürokratie: Keinesfalls bekam jeder Türke eine Wahlbenachrichtigung zugesandt, wie man das in Deutschland kennt. Zunächst mussten sich die Wahlberechtigten in ein Wählerverzeichnis aufnehmen lassen – denn ein solches Verzeichnis führen die türkischen Behörden nicht fortlaufend. Türkische Staatsbürger konnten auf der Internetseite des „Hohen Wahlrats“ prüfen, ob sie bereits registriert waren. Wenn nicht, mussten sie mit einer Meldebescheinigung persönlich zum Konsulat gehen oder diese Bescheinigung per Post oder auch online einreichen.

          Erdogan als klarer Favorit

          Die Registrierung im Wählerverzeichnis ist eine Hürde für die Beteiligung gerade älterer Wähler, die mit dem Internet nicht vertraut sind. Daher hat die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Unterstützerorganisation der AKP von Ministerpräsident Erdogan in Europa, in den vergangenen Monaten mit großem Aufwand Büros in allen größeren westdeutschen Städten gegründet. Dort hilft man bei der Registrierung, von dort aus wurden Busse zum Wahlkampfauftritt Erdogans Ende Mai in Köln gechartert – und es sollte einen wundern, wenn von dort nicht auch Busse die Wähler zu den Messehallen und Sportarenen bringen, damit diese dort ihr Kreuz für Erdogan machen. Mit perfekter Organisation und möglichst kompletter Mobilisierung soll die UETD dafür sorgen, dass dem heutigen Ministerpräsidenten keine Stimme verlorengeht.

          Erdogan gilt als klarer Favorit der Präsidentschaftswahl – auch unter den Deutschtürken. Sie sind ihm dankbar dafür, dass er die Türkei zu einem Land gemacht hat, auf das sie stolz sein können und das international wieder eine Rolle spielt: mit hohen Wachstumsraten, niedriger Inflation und einer Armee, die innerhalb der Nato über die zweitgrößte Anzahl an Soldaten verfügt. Auch danken sie ihm, dass er ihre politische Unsichtbarkeit beendet hat: Jahrelang konnten sie sich an Wahlen in der Türkei nur beteiligen, wenn sie dafür in die Türkei reisten – wegen des hohen Aufwandes haben das jedoch nur wenige gemacht. Für die Änderung des Wahlgesetzes zugunsten der Auslandstürken setzte sich die AKP freilich nicht uneigennützig ein. Die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken bevorzugt die AKP. Eine Studie der Hacettepe-Universität in Ankara bezifferte die Erdogan-Unterstützer unter ihnen vor kurzem auf 58 Prozent.

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