https://www.faz.net/-gpf-oxr0

Zypern : Zyperns "letzte Chance"

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Plan zur Wiedervereinigung Zyperns wird scheitern: Am Widerstand der Inselgriechen. Radikale Stimmen äußern Sorge, sie müßten für die Türken zahlen.

          Die östlichste Außengrenze der Europäischen Union wird vom 1. Mai an quer durch Zypern verlaufen. Diese Voraussage darf nach dem Ausgang der Verhandlungen in Bürgenstock ohne Einschränkungen gewagt werden. Die überwältigende Mehrheit der Zyperngriechen scheint jedenfalls entschlossen zu sein, den Plan von UN-Generalsekretär Annan zur Wiedervereinigung der Insel bei der Volksabstimmung am 24. April und damit genau eine Woche vor dem EU-Beitritt des griechischen Teils Zyperns in Bausch und Bogen abzulehnen.

          Der türkische Volksgruppenführer Denktasch will seine Landsleute mit wilden Beschimpfungen der internationalen Vermittler zwar ebenfalls auf ein Nein festlegen, doch nach der gegenwärtigen Stimmungslage könnte das Echo auf den Appell des UN-Generalsekretärs zur Annahme seines Plans im türkisch besetzten Norden der Insel positiver ausfallen als die Resonanz im griechisch regierten Süden.

          Wahrer des "Hellenentums"

          Die Inselgriechen mit Staatspräsident Papadopoulos an der Spitze, der in den letzten Verhandlungstagen unablässig auf den "hellenistischen Charakter" Zyperns pochte, hatten sich für die Idee eines wiedervereinigten Staatswesens nach föderalem Schweizer Vorbild von Anbeginn nicht ernsthaft erwärmen können. Die Macht mit der türkisch-zyprischen Minderheit zu teilen und obendrein ein getrenntes, jedenfalls autonomes Staatswesen im Norden ertragen zu müssen nahm sich für die Zyperngriechen alles andere als verlockend aus.

          Das galt um so mehr, als sie sich auch ohne eine Verständigung mit den Inseltürken ihrer Aufnahme in die Europäische Union gewiß sein konnten. Im Zuge der Verhandlungen zwischen Papadopoulos und Denktasch in Nikosia und der folgenden Gespräche unter Hinzuziehung der Regierungschefs ihrer "Mutterländer" bei Luzern nahmen die Bedenken nur noch weiter zu. Keine einzige der griechischzyprischen Parteien setzte sich öffentlich für den Annan-Plan ein.

          Verstärkt wurde die Ablehnungsfront durch die griechisch-orthodoxe Kirche, die nicht nur der mit Abstand größte Landbesitzer auf der Insel ist, sondern sich ebenfalls als Wahrer des "Hellenentums" verstanden wissen will. Hatten die Zyperngriechen über Jahre hinweg auf Denktasch als den eigentlichen Verweigerer eines staatlichen Miteinanders verweisen können, so nahmen ihre Argumente gegen den Annan-Plan schließlich spiegelverkehrt die Tonart des türkischen Volksgruppenführers an. Selbst der angesehenen Zeitung "Cyprus Mail" platzte am Ende der Kragen. Sie warf der Regierung unter Papadopoulos unumwunden eine Politik der "Hysterie" gegen den Wiedervereinigungsplan vor.

          Bürger zweiter Klasse?

          Allerdings ließen sich so manche der griechisch-zyprischen Einwände durchaus sachlich begründen. Dafür sorgte besonders die vierte und bis auf weiteres letzte Version des Annan-Plans, die den Forderungen der Zyperntürken und der Regierung in Ankara weitaus mehr Rechnung trägt als den Änderungsvorschlägen, die von den Zyperngriechen eingebracht worden waren. Was letzteren wie eine nachträgliche Belohnung der türkischen Invasion vor dreißig Jahren erscheint, ist das Zugeständnis an Ankara, auf mehr oder weniger unabsehbare Zeit weiterhin Truppen im Norden der Insel stationieren zu können, obwohl der Annan-Plan umgekehrt eine völlige Entmilitarisierung der Insel vorsieht, soweit es die beiden geplanten Teilstaaten betrifft.

          Ebensowenig mögen sich die Zyperngriechen mit einer Einschränkung ihrer Niederlassungsfreiheit abfinden, wie sie der Wiedervereinigungsplan zur Vermeidung einer neuerlichen griechisch-zyprischen Dominanz über die Inseltürken vorsieht. Eine solche Begrenzung widerspricht nach Auffassung der griechischen Seite den Grundprinzipien der EU und würde die Inselgriechen, so ihre Regierung, zu Bürgern "zweiter Klasse" in der Europäischen Union machen. Erst recht nicht wollen sich die Zyperngriechen damit abfinden, daß 45 000 Festlandtürken vornehmlich aus Anatolien, die im Laufe der Jahre im Norden der Insel angesiedelt worden waren, dort ein Bleiberecht erhalten sollen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Start der siebzehnten Vogtland-Veteranenrallye.

          AKK und Maaßen in Sachsen : Er war schon vor ihr da

          Annegret Kramp-Karrenbauer macht im sächsischen Vogtland Wahlkampf. Auch Hans-Georg Maaßen war dort schon für die CDU unterwegs – und sorgte dafür, dass für den Bundestagsabgeordneten Heinz eine Welt zusammenbrach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.