https://www.faz.net/-gpf-8uxwg

Giftmord an Kim Jong-nam : Zweite Verdächtige festgenommen

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Nach dem mutmaßlichen Giftmord am Halbbruder von Kim Jong-un vermeldet die malaysische Polizei einen weiteren Fahndungserfolg dank Videoaufnahmen. Auch Nordkorea äußert sich offenbar – mit einer Forderung.

          2 Min.

          Nach dem mutmaßlichen Giftmord am ältesten Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Malaysia hat die Polizei eine zweite Verdächtige verhaftet. Die 29 Jahre alte Frau soll im Besitz eines indonesischen Reisepasses sein. Am Mittwoch war im Zusammenhang mit dem Tod von Kim Jong-nam  bereits eine 28 Jahre alte Frau festgesetzt worden. Sie soll Papiere aus Vietnam dabei gehabt haben. Spekuliert wird, dass es sich um Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes handeln könnte.

          Auf die Spur der beiden Frauen kam die Polizei durch die Aufnahmen von Überwachungskameras auf dem Flughafen der Hauptstadt Kuala Lumpur. Dort war der älteste Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers von zwei Frauen angegriffen worden, als er am Montag nach China fliegen wollte. Auf dem Weg ins Krankenhaus starb er. Südkorea beschuldigt das Regime in Pjöngjang, hinter dem mutmaßlichen Giftmord zu stecken.

          Der 45 Jahre alte erstgeborene Sohn des früheren Diktators Kim Jong-il, wurde früher auch als möglicher Nachfolger gehandelt. Noch zu Lebzeiten des Vaters fiel er jedoch in Ungnade. Nach dessen Tod im Dezember 2011 rückte sein jüngerer Halbbruder an die Spitze des kommunistischen Staates auf. Kim Jong-nam lebte seither die meiste Zeit im Ausland. Mehrfach äußerte er sich kritisch über die Situation in seinem Heimatland, der letzten kommunistischen Dynastie. Als Regimegegner galt er jedoch nicht.

          Unterdessen wurden weitere Details zum Hergang des Attentats bekannt. Nach einem Bericht der „New Straits Times“  dauerte der Überfall nur fünf Sekunden. Demnach wurde der Nordkoreaner vor dem Check-In-Schalter von einer der beiden Frauen abgelenkt. Die andere nahm in dann von hinten in den Schwitzkasten und vergiftete ihn. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras soll zu sehen sein, wie sie einen Handschuh trug, der möglicherweise mit Gift präpariert war. Das Blatt zitierte den Leiter einer Polizei-Sondereinheit, Datuk Seri Mohamad Fuzi Harun, mit den Worten: „Wir haben Grund zu der Annahme, dass dies das Werk von ausländischen Agenten war.“

          Nordkorea fordert Auslieferung des Leichnams

          Mehrere malaysische Zeitungen berichteten unter Berufung auf die dortige Polizei, dass Pjöngjang von Malaysia die Auslieferung des Toten verlangt. Dies sei aber bereits abgelehnt worden. Der Leichnam Kim Jong-nams war am Mittwoch in einer Klinik in Kuala Lumpur obduziert worden, um die genaue Todesursache zu klären. Wann das Ergebnis bekannt gegeben werden soll, ist noch nicht bekannt. Offiziell bestätigt die Polizei nicht einmal, dass es sich um den Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers handelt.

          Kim Jong-un trat am Mittwochabend  zum ersten Mal seit dem Tod des Bruders öffentlich auf.  Anlass war der 75. Geburtstag von Kim Jong-il am Donnerstag, des Vaters von Machthaber Kim Jong-un und dessen älterem Halbbruder Kim Jong-nam. Zusammen mit Vertretern aus Regierung, Partei und Armee nahm er am Vorabend des Geburtstags an einem „nationalen Treffen“ in Pjöngjang zu Ehren seines Vaters teil, wie die Staatsmedien berichteten. Das Regime betreibt seit den Tagen des als Staatsgründer verehrten Kim Il-sung einen unvergleichlichen Personenkult um die Herrscherfamilie. Kim Jong-un erwies den Berichten zufolge im Mausoleum in Pjöngjang seinen Vorgängern die Ehre, als er vor ihre Statuen trat, hieß es in den Berichten.

          Weitere Themen

          Tausende fordern Aufnahme von Flüchtlingen Video-Seite öffnen

          Seebrücke-Demo in Berlin : Tausende fordern Aufnahme von Flüchtlingen

          In Berlin haben mehrere tausend Menschen für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge demonstriert. Alle Migranten aus dem zerstörten Lager im griechischen Moria müssten nach Deutschland gebracht werden, forderten die Demonstranten.

          Topmeldungen

          Brand in einem Flüchtlingslager auf Samos (Archivbild)

          Griechenland : Feuer im Flüchtlingslager auf Samos

          In einem griechischen Flüchtlingszentrum ist abermals ein Feuer ausgebrochen. Mehrere Container brannten nieder. Dutzende Minderjährige wurden aus dem Lager gebracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.