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Unruhen in Israel : Zwei Tote im Gazastreifen nach Raketenangriff

  • Aktualisiert am

Die israelische Armee hat am Samstag Ziele im Gazastreifen mit Raketen beschossen. Bild: Reuters

Am Freitag haben palästinensische Extremisten vom Gazastreifen aus drei Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Die israelische Armee reagiert mit Gegenangriffen – und Donald Trump schickt eine Mahnung nach Israel.

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          Durch einen Raketenangriff der israelischen Armee sind am Samstag im Gazastreifen nach Angaben der dortigen Behörden zwei Palästinenser getötet worden. Das Geschoss sei am Morgen in Nusseirat eingeschlagen, erklärte die radikalislamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert. Die israelische Armee teilte mit, dass sie am Samstag als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen mehrere militärische Einrichtungen der Hamas in dem Küstenstreifen aus der Luft attackiert habe, ein Munitionslager, zwei Waffenfabriken und einen Militärstützpunkt.

          Am Freitag hatten palästinensische Extremisten mindestens drei Raketen vom Gazastreifen aus auf israelische Städte abgefeuert. Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern wurde durch die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump neu angeheizt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

          Mehrere palästinensische Gruppierungen hatten als Reaktion zu „Tagen des Zorns“ aufgerufen, die radikalislamische Hamas rief eine neue Intifada, einen Aufstand gegen Israel, aus und erneuerte diesen Aufruf am Samstag. „Wir arbeiten in alle Richtungen und auf allen Ebenen, um die Entscheidung von Trump zu Fall zu bringen, Jerusalem zu befreien und das palästinensische Volk zurückzubringen“, sagte Hamas-Chef Ismail Hanija. Die palästinensische Einheit offenbare sich „in der Arena der Intifada“.

          Am Samstag kam es in den Palästinensergebieten vereinzelt zu neuen Konfrontationen. In der Nähe von Bethlehem habe es Zusammenstöße zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Soldaten gegeben, berichteten israelische und palästinensische Medien. Dabei sollen mehrere Menschen verletzt worden sein. Eine israelische Armeesprecherin sagte, am Rande des Gazastreifens hätten Dutzende Palästinenser Reifen verbrannt und Steine auf Soldaten geworfen.

          Trump ruft zur Mäßigung auf

          Am Freitag wurden nach Angaben der palästinensischen Behörden an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel zwei Palästinenser getötet. Die israelische Armee sprach zudem von 28 festgenommenen „Randalierern“ und 65 Verletzten im israelisch besetzten Westjordanland. Zusammenstöße gab es etwa in Hebron, Bethlehem und rund um Nablus.

          Trump rief angesichts der Unruhen zu „Ruhe und Mäßigung“ auf. Das sagte sein Sprecher Raj Shah zu Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, die Trump am Freitagabend (Ortszeit) zu einer Veranstaltung nach Florida brachte. „Der Präsident hat Ruhe und Mäßigung geforderte, und wir hoffen, dass die Stimmen der Toleranz die des Hasses übertönen“, sagte Shah. Er betonte, dass Trump weiterhin eine „dauerhafte Friedensvereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern“ anstrebe.

          Am Samstag will sich die palästinensische Führung in Ramallah treffen, nachdem Präsident Mahmud Abbas aus Jordanien zurückgekehrt ist. Auch die Arabische Liga befasst sich am Samstag in einer Dringlichkeitssitzung mit der umstrittenen Entscheidung des amerikanischen Präsidenten. Es wird erwartet, dass die Staatengemeinschaft bei ihrem Treffen in Kairo scharfe Kritik an der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels übt.

          UN-Sicherheitsrat kritisiert Entscheidung

          Der Beginn der ersten Intifada jährt sich am Samstag zum 30. Mal. Von 1987 bis 1993 verloren etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der „Al-Aksa-Intifada“ von 2000 bis 2005 wurden 3500 Palästinenser getötet, mehr als 1000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern.

          Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats mussten die Vereinigten Staaten am Freitag massive Kritik aller 14 anderen Mitglieder des Gremiums einstecken. Die Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, stelle einen „gefährlichen Präzedenzfall“ dar, sagte Ägyptens UN-Botschafter Amr Abdellatif Aboulatta in New York.

          Die Botschafter von Großbritannien, Italien, Schweden, Italien und dem derzeit nicht im Sicherheitsrat vertretenen Deutschland teilten nach der Sitzung in einer gemeinsamen Erklärung mit, die Entscheidung sei nicht in Übereinstimmung mit UN-Resolutionen und nicht hilfreich.

          Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Kriegs unter anderem das Westjordanland und den arabischen Ostteil Jerusalems erobert. Das Westjordanland kontrolliert es bis heute, Ost-Jerusalem hat Israel annektiert. Israel beansprucht ganz Jerusalem.

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