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Messerattacke nahe Paris : Terroranschlag oder Familiendrama?

Französische Sicherheitskräfte am Tatort der Messerattacke in Trappes Bild: AP

Ein Mann tötet seine Mutter und seine Schwester. Er war als radikaler Islamist bekannt. Doch die Motive seiner Tat liegen im Dunkeln.

          Terroranschlag oder Familiendrama? Frankreich wurde am Donnerstag abermals von einem Messerangriff heimgesucht, den die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) als eines ihrer Werke ausgab. Doch die Zweifel daran sind erheblich, denn es gibt zahlreiche Hinweise auf einen psychisch gestörten Täter. 

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Am Donnerstagvormittag hat der 35 Jahre alte Kamel S. in der Pariser Vorstadt Trappes mehrere Personen mit einem Messer angegriffen. Dabei tötete er seine Schwester sowie seine Mutter und verletzte eine Passantin schwer. Die Polizei erschoss ihn rund eine halbe Stunde später, nachdem er mit gezogenem Messer auf sie zugerannt war. Zuvor hatte er sich in einem Wohnhaus verschanzt und „Allahu Akbar“ gerufen.

          Wegen Verherrlichung von Terrorakten angeklagt

          Der Mann war den Sicherheitsbehörden als radikalisiert bekannt, 2016 wurde er wegen Verherrlichung von Terrorakten angeklagt, doch gleichzeitig wies er viele Anzeichen einer psychischen Störung auf. Der ehemalige Angestellte der Pariser Transportgesellschaft RATP, der auch als Taxifahrer gemeldet war, galt als depressiv sowie alkohol- und drogenabhängig. Eine Scheidung soll ihn zusätzlich destabilisiert haben, berichtet die Polizei.

          Der französische Innenminister Gérard Collomb, der gleich an den Tatort geeilt war, sagte, dass der Mann „erhebliche psychische Probleme hatte“; es sei zu bezweifeln, dass er als Anhänger des „Islamischer Staates“ gelten könne, der von der Terrororganisation Aufträge entgegennehme. Die Staatsanwaltschaft von Versailles hat jetzt die Ermittlungen aufgenommen, und nicht der Staatsanwalt der französischen Republik François Molins, der für Terroranschläge zuständig ist.

          Bei der RATP war Kamel S. nach Angaben des französischen Fernsehens entlassen worden, weil er Frauen beleidigte und islamistische Parolen rief. Es gab in seiner Familie aber offenbar auch Erbstreitereien, jedenfalls hatte der Mann in diesem Zusammenhang vor einiger Zeit Anzeige erstattet.

          Die Vorstadt Trappes im Westen von Paris, in der sich das Drama ereignete, gilt als Hochburg für die islamistische Radikalisierung. Dutzende junge Männer sind von dort aus in den syrischen Bürgerkrieg aufgebrochen.

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