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Zwei Monate nach dem Putsch : Angriff auf malischen Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Rund zwei Monate nach dem Putsch in Mali ist der amtierende Präsident des westafrikanischen Landes bei gewaltsamen Protesten verletzt worden. Bild: reuters

Malis Übergangspräsident Traoré ist von Demonstranten in seinem Büro überfallen und bewusstlos geschlagen worden. Am Dienstag konnte er das Krankenhaus aber schon wieder verlassen.

          Der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré ist am Montagabend von Demonstranten erheblich verletzt worden, die in sein Büro vorgedrungen waren. Traoré wurde bewusstlos in ein Krankenhaus eingeliefert, das er aber bereits am Dienstagmorgen wieder verlassen konnte.

          Der ehemalige Parlamentspräsident Traoré war drei Wochen nach dem Putsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré im März als Übergangspräsident eingesetzt worden. Laut Verfassung hätten danach innerhalb von 40 Tagen Neuwahlen ausgeschrieben werden müssen. In dem Konflikt über das weitere Vorgehen hatte die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) nur 24 Stunden vor dem Angriff auf Traoré einen Kompromiss ausgehandelt: Danach soll der Übergangspräsident für weitere zwölf Monate regieren dürfen. Im Gegenzug wurde dem Putschführer Hauptmann Amadou Sanogo der Status eines ehemaligen Staatsoberhaupts mit entsprechenden Annehmlichkeiten gewährt. Ziel ist es, den Weg zu Neuwahlen zu ebnen, und die Putschisten, die an der Übergangsregierung beteiligt sind, politisch zu neutralisieren.

          Der Angriff auf Traoré ist vermutlich von Sympathisanten der ehemaligen Junta verübt worden. Die Junta distanzierte sich allerdings am Dienstag von dem Überfall. Unklar ist indes, wie die Angreifer an den Sicherungsposten der Armee vorbei bis in Traorés Büro vordringen konnten. Ein Sprecher der Ecowas bezeichnete den Angriff auf den Übergangspräsidenten als „sehr schlimmen Vorfall“ und ließ durchblicken, dass dies mit Sanktionen der Ecowas gegen führende Militärs geahndet werden könnte. Die Armee hatte ihren Putsch im März damit begründet, Präsident Touré sei im Kampf gegen den islamistischen Terror im Norden des Landes untätig. Angesichts der dramatischen militärischen Lage und des Drucks der Ecowas hatten die Putschisten eingelenkt und am 12. April der Schaffung einer zivilen Übergangsregierung unter Traoré zugestimmt. Seither aber stellen die Militärs um Sanogo immer neue Forderungen, die ein schnelles Ende der politischen Krise in weite Ferne rücken lassen.

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