https://www.faz.net/-gpf-9apyv

Zwei Kinder verletzt : Kroatische Polizei schießt auf Kleinbus mit Flüchtlingen

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge überqueren die Grenze zwischen Serbien und Kroatien im Jahr 2015 Bild: berlin producers

Die Polizisten wollen ein Fahrzeug anhalten, doch es durchbricht eine Straßensperre. Die Posten eröffnen das Feuer - und treffen. Bei dem Vorfall mit einem Kleinbus mit Flüchtlingen im kroatischen Grenzland hätten Menschen sterben können.

          Auf der immer häufiger genutzten Balkan-Fluchtroute durch Bosnien-Herzegowina und Kroatien haben kroatische Polizisten das Feuer auf einen Kleinbus mit Flüchtlingen eröffnet und dabei zwei Kinder schwer verletzt. Der Bus war in der Nacht zum Donnerstag illegal über die Grenze gekommen, wie das Nachrichtenportal „index.hr“ berichtet.

          Die Polizei habe mehrfach vergeblich versucht, das Fahrzeug anzuhalten. Als der Fahrer eine Straßensperre durchbrach, eröffneten die Polizisten in der Ortschaft Srb nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegowina das Feuer. Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic kritisierte den Schusswaffengebrauch der Beamten als vermutlich unangemessen.

          Nach der weitgehenden Schließung der klassischen Balkanroute über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn versuchen immer mehr Flüchtlinge, auf andere Strecken auszuweichen, darunter solche, die durch Bosnien und Kroatien führen. In Bosnien sind seit Jahresbeginn 3500 Menschen angekommen, von denen der Großteil in Richtung Mitteleuropa weiterzog.

          Wie es in dem Bericht von „index.hr“ weiter hieß, stoppte der Fahrer wenig später den Wagen und lief in einen Wald. Nach dem Bosnier wird noch gefahndet. Die Polizei fand in dem Kleinbus 29 Flüchtlinge aus dem Irak und aus Afghanistan, unter ihnen 15 Kinder. Zwei von ihnen hatten durch die Schüsse schwere Verletzungen am Kopf erlitten. Das zwölfjährige Mädchen und der Junge würden im Krankenhaus der Adriastadt Zadar behandelt. Sie sind nach Angaben von Ärzten außer Lebensgefahr. Weitere Passagiere benötigten angesichts der Umstände während der Fahrt in dem völlig überfüllten Wagen ebenfalls ärztliche Hilfe.

          Österreich hatte am Mittwoch angekündigt, mit seinen östlichen Nachbarstaaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Griechenland, dem Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Slowenien neue Migrantenströme über die Balkanroute verhindern. Über konkrete Maßnahmen soll am 6. Juni bei einem Treffen in Slowenien beraten werden. Nach Angaben von Innenminister Herber Kickl (FPÖ) werde Österreich die Grenzen schließen, „damit sich nicht eine Krise wie 2015/2016 wiederhole“. Die Bekämpfung illegaler Migration werde eine Priorität Österreichs nach Übernahme des EU-Vorsitzes am 1. Juli.

          Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf sind die Zahlen ankommender Flüchtlinge in der Region teils deutlich gestiegen. In Albanien und Montenegro seien bis Ende Mai schon so viele Menschen angekommen wie im gesamten vergangenen Jahr, sagte UNHCR-Sprecher Charlie Yaxley.

          Weitere Themen

          Was sichere Herkunftsstaaten bedeuten

          Asylverfahren : Was sichere Herkunftsstaaten bedeuten

          Der Bundestag hat die Maghrebstaaten und Georgien schon zum zweiten Mal als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Der Entwurf droht jedoch im Bundesrat abermals zu scheitern. Worum es in der Debatte geht, erfahren Sie hier.

          „Verdienter Dank blieb aus“ Video-Seite öffnen

          Videokommentar zum CSU-Parteitag : „Verdienter Dank blieb aus“

          Horst Seehofer ist für seine Verdienste nicht ausreichend von der CSU gewürdigt worden, analysiert F.A.Z.-Korrespondent Timo Frasch. Warum Markus Söder den Funken nicht auf die Delegierten übertragen konnte und die Euphorie verhalten ausfiel, sehen Sie jetzt im Videokommentar.

          Auch Söder nicht unumstritten Video-Seite öffnen

          CSU weiter gespalten : Auch Söder nicht unumstritten

          Die CSU hat Markus Söder mit einem Dämpfer zu ihrem neuen Parteivorsitzenden gewählt. Der 52-Jährige erhielt am Samstag auf einem Parteitag in München 87,4 Prozent der Stimmen. Damit lag er unter der eigens gesteckten Zielmarke.

          Topmeldungen

          Will sich über Social-Media-Kanäle in China einen Namen machen: die Seniorin Wang Jinxiang bei einer Aufnahme in Peking.

          Hinter der Mauer : So anders ist das Internet in China

          In keinem Land der Welt sind so viele Menschen online wie im Reich der Mitte. Sie nutzen das Internet meist viel intensiver – doch sie sehen ein komplett anderes als wir in Europa.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.