Antifa-Angriffe in Budapest : Linksextremisten attackieren vermeintliche Neonazis
Gewaltbereite Linksextremisten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern haben offenbar in den vergangenen Tagen in Ungarn eine Serie von Angriffen auf Passanten verübt. In ihren Opfern vermuteten die Täter offensichtlich Teilnehmer an einer Neonazi-Veranstaltung in Budapest. Das war ihnen Grund genug, in vier Attacken insgesamt acht Personen teils schwer zu verletzen.
Die Budapester Polizei hat vier Tatverdächtige verhaftet: eine 26 Jahre alte Frau und einen 29 Jahre alten Mann aus Deutschland, eine 38 Jahre alte Italienerin und eine 42 Jahre alte Ungarin. Vermutungen, dass es sich um international vernetzte linksextreme „Autonome“ handle, wurden vorerst nicht offiziell bestätigt. Allerdings hatten die Opfer gemeinsam, dass sie schwarze oder Tarnfleck-Kleidung oder Bomberjacken trugen. Auch Parolen aus der Antifa-Szene legen nahe, dass aus ihr die Angreifer stammen. Die Festgenommenen sollen jegliche Aussage verweigert haben.
Ob die Opfer tatsächlich Teilnehmer des Neonazi-Treffens am Samstag oder überhaupt Rechtsextremisten waren, ist ungewiss. Die Angriffe ereigneten sich zwischen Donnerstag und Samstag an verschiedenen Orten in der ungarischen Hauptstadt. Zunächst wurden drei polnische Touristen zusammengeschlagen, dann ein einzelner Mann und schließlich – in der Nacht zum Samstag – jeweils zwei Pärchen. Zu den Letzteren zählten zwei Deutsche.
Neonazis versammeln sich für „Tag der Ehre“ in Budapest
Auf Videos aus Überwachungskameras ist das Muster zu sehen: Die Opfer wurden von hinten von einer größeren Gruppe – die Polizei rechnet mit insgesamt etwa 15 Tätern – angegriffen und mit Schlagwaffen und Tritten zusammengeschlagen. Die Polizei stellte auch Pfefferspray und Bleihandschuhe sicher.
Am Samstag versammelten sich einige Hundert Rechtsextremisten in einem Wäldchen nahe dem historischen Burgberg von Buda, um an die Schlacht um Budapest im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Seit den 1990er-Jahren wird der Jahrestag eines Ausbruchsversuchs von Soldaten der Wehrmacht, der Waffen-SS und der ungarischen Armee aus der von der Roten Armee eingekesselten Stadt von Alt- und Neonazis als „Tag der Ehre“ begangen.
Zuletzt hatte die nationalkonservative Regierung Orbán diese Veranstaltungen, die als Demonstration angemeldet waren, verboten, so auch dieses Jahr. Zugelassen war hingegen eine Kundgebung von Antifa-Aktivisten. Spruchbänder, wonach es weder damals noch heute eine „sichere Festung für Nazis“ gebe, schienen die tätlichen Angriffe zu billigen.
Am Samstagnachmittag ereignete sich ein anderer Vorfall, über den András Heiszler berichtete, der Vorsitzende eines Dachverbands jüdischer Gemeinden. Demnach haben Neonazis auf einem Platz in Budapest eine fünfköpfige Gruppe hinterrücks angegriffen, die sie offenbar als antifaschistische Demonstranten wahrgenommen haben. Heiszler gab laut der Zeitung „Népszava“ an, dass darunter ein Mitglied seiner Gemeinde gewesen sei.

