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Zwangsarbeit : In Tschad Verurteilte sollen Strafe in Frankreich verbüßen

  • Aktualisiert am

Hinter Gittern: Verurteilte Mitarbeiterin von Zoe's Arch Bild: AFP

Wegen der Entführung vorgeblicher Waisenkinder aus Tschad hat ein Gericht in der Hauptstadt N'Djamena sechs Franzosen zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Regierung in Paris will erreichen, dass sie ihre Strafe in Frankreich verbüßen können.

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          Paris will die Überstellung der wegen versuchter Kindesentführung im Tschad zu jeweils acht Jahren Zwangsarbeit verurteilten Franzosen beantragen. Wie das Außenministerium in Paris mitteilte, solle der Antrag in den kommenden Tagen gestellt werden. Laut einem Bericht der Zeitschrift „Nouvel Observateur“, die sich auf Angaben aus Diplomatenkreisen bezieht, könnten die Verurteilten schon am Sonntag nach Frankreich ausgeflogen werden.

          Die sechs Mitarbeiter der Hilfsorganisation Arche de Zoé sollen in ihrem Heimatland ihre Haftstrafe abbüßen. Eine Konvention von 1976 ermöglicht es, im Tschad verurteilte Franzosen ihre Strafe in Frankreich verbüßen zu lassen. Präsident Nicolas Sarkozy hatte nach der Festnahme angekündigt, alle inhaftierten Franzosen aus dem Tschad zu holen, „egal, was sie getan haben“.

          Kinder meist keine Vollwaisen

          Im Prozess gegen die Hilfsorganisation waren die sechs Franzosen am Mittwoch zu jeweils acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Damit blieb das Gericht in der Hauptstadt N'Djamena weit unter der möglichen Höchststrafe von 20 Jahren Zwangsarbeit. Es verurteilte die vier Männer und zwei Frauen der Hilfsorganisation aber zusätzlich zu einer Geldstrafe von mehr als sechs Millionen Euro - für das erlittene Trauma der 103 Kinder und ihrer Familien. Gegen einen tschadischen und einen sudanesischen Mitangeklagten verhängte das Gericht jeweils vier Jahre Haft wegen Komplizenschaft. Zwei weitere tschadische Mitangeklagte wurden freigesprochen.

          Mitarbeiter der Arche de Zoé in tschadischer Haft

          Die Mitglieder der Hilfsorganisation hatten im Oktober versucht, 103 afrikanische Kinder nach Frankreich auszufliegen und in Pflegefamilien zu geben. Sie hatten erklärt, Waisenkinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur vor dem Tod retten zu wollen. Allerdings stellte sich heraus, dass die meisten Kinder keine Vollwaisen waren und aus Tschad stammten.

          Organisationsgründer ein „Sklavenhändler“?

          Die Organisation Arche de Zoé wollte die Kinder bei französischen und belgischen Pflegefamilien unterbringen, die dafür bis zu mehrere tausend Euro bezahlt hatten. Die Affäre hatte die Öffentlichkeit in Tschad stark empört und vorübergehend zu diplomatischen Spannungen zwischen N'Djamena und Paris geführt, da Paris schon vor Prozessbeginn auf eine rasche Auslieferung der Angeklagten gedrängt hatte.

          Während des Prozesses wurde dem Gründer der Organisation, Eric Breteau, vorgeworfen, sich wie ein „Sklavenhändler“ verhalten und die Kinder „gestohlen“ zu haben. Er hatte die Anschuldigungen bestritten und erklärt, Mittelsmänner hätten ihnen die Kinder als Waisen aus Sudan vorgestellt. Die Anwälte der Franzosen hatten stets betont, ihre Mandanten hätten „in gutem Glauben“ gehandelt und die Kinder retten wollen.

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