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Zum Tode Eduard Schewardnadses : Der Mann, der den Kalten Krieg beenden half

Eduard Schewardnadse mit dem damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (l) 1988 im Moskauer Kreml. Bundeskanzler Helmut Kohl und der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow stehen im Hintergrund Bild: Barbara Klemm

In Deutschland genoss Eduard Schewardnadse am Ende seines Lebens wohl die größte Hochachtung. Denn als letzter Außenminister der Sowjetunion war er einer der Väter der Wiedervereinigung.

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          Deutschland war wohl das Land, in dem Eduard Schewardnadse am Ende seines Lebens die größte Hochachtung genoss. In der Erinnerung der Deutschen ist sein Name untrennbar verbunden mit der Zustimmung der Sowjetunion, deren Außenminister er damals war, zur Wiedervereinigung. Das Jahr 1990 war zugleich der Höhepunkt und das Ende jener fünf Jahre, in denen der Mann aus Georgien, scheinbar aus dem Nichts kommend, Weltgeschichte geschrieben hat. Der Architekt der außenpolitischen Öffnung der Sowjetunion war 1985 bei seiner Ernennung zum Außenminister außerhalb seiner Heimat ein Unbekannter; er hatte zwar in Georgien eine steile Parteikarriere gemacht, doch bis dahin keine darüber hinaus gehenden Ambitionen gezeigt und verfügte über keine Erfahrung mit internationaler Politik und Diplomatie.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Viel mehr noch als die Ernennung Schewardnadses wurde bald schon dessen Auftreten zur Sensation. Mit seiner offenen und freundlichen Art war er das Gegenbild zu seinem stets mürrisch wirkenden Vorgänger Andrej Gromyko, der den Spitznamen „Mister Njet“ trug und schon unter Stalin führende Posten in der sowjetischen Diplomatie bekleidet hatte. Es war ein Stilwechsel, der die Ankündigungen einer neuen Politik und eines neuen Denkens durch den gerade erst ins Amt gekommenen Parteichef Michail Gorbatschow für die Welt glaubhafter machte.

          Schon als Parteichef in Georgien war Schewardnadse anders als andere sowjetische Funktionäre. Er ging hart gegen Korruption in Staat und Partei vor und machte dabei auch vor ranghohen Funktionären nicht halt. Gleichzeitig versuchte er sich schon in den bleiernen Breschnew-Jahren an Wirtschaftsreformen, die dazu beitrugen, dass Georgien in der Sowjetunion in den Jahren der Stagnation den Ruf hatte, eine Insel des Kapitalismus im Kommunismus zu sein. Sein Interesse daran, was die Menschen dachten, führte dazu, dass Georgien die erste Sowjetrepublik war, in der wissenschaftliche Meinungsforschung betrieben wurde. Freilich war er auch mit jenen Strukturen eng verbunden, die in der Sowjetunion die Stimmung in der Bevölkerung mit anderen Mitteln und anderen Zielen untersuchten: dem Repressionsapparat.

          Auf Sicherung der Macht bedacht

          Vor seinem Aufstieg zum Republikchef war Schewardnadse Innenminister. Dank dem Wissen und den Verbindungen, die er dabei erwarb, konnte er es wagen, seinen Vorgänger an der georgischen Parteispitze über eine Korruptionsaffäre zum Rücktritt zu zwingen. Und auch bei den danach folgenden Kampagnen gegen Korruption in den Reihen der Partei war die Sicherung der eigenen Macht ein wichtiges Ziel. Hart ging Schewardnadse auch gegen Andersdenkende vor – so sorgte er dafür, dass der Dissident und spätere erste Präsident des unabhängigen Georgien Swiad Gamsachurdia für mehrere Jahre in Haft kam.

          Als Außenminister der Sowjetunion leitete Schewardnadse schnell grundsätzliche Korrekturen im Verhältnis Moskaus zu den Vereinigten Staaten ein. Der Grundgedanke dahinter war die Erkenntnis, dass die Sowjetunion sich eine ideologisch begründete Konfrontation mit dem Westen nicht mehr leisten konnte – und zwar nicht nur wegen der direkten Kosten für die Rüstung, sondern auch, weil die Abschottung gegenüber dem Rest der Welt dazu führte, dass das Land technologisch den Anschluss verlor.

          Also arbeitete Schewardnadse zielstrebig am Ende der teuren (und für das Ansehen bei der eigenen Bevölkerung verheerenden) Besetzung Afghanistans, verhandelte er mit der Regierung Reagan über eine Rüstungsbegrenzung. Den friedlichen Revolutionen von 1989 stellte sich der reformorientierte Teil der sowjetischen Führung nicht mehr entgegen.

          Zwei Attentaten entgangen

          Die Hardliner in der Partei indes griffen ihn dafür heftig an – sie warfen ihm vor, er habe leichtfertig aufgegeben, was die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erkämpft habe. Als die Reformgegner in Gorbatschows Umgebung immer mehr Gewicht gewannen, trat Schewardnadse Ende 1990 zurück – und warnte dabei vor einer Rückkehr der Diktatur. Ein Jahr später wurde er noch einmal Außenminister der Sowjetunion – für wenige Wochen, bis sie Geschichte war.

          Georgien wurde unterdessen von einem Bürgerkrieg zerrissen. Schewardnadse schaffte es nach seiner Rückkehr in die Heimat 1992 nach und nach, die Macht der konkurrierenden Milizen zu brechen. Zweimal entging er nur knapp Attentaten. Was ihm nicht gelang, war der Aufbau eines funktionierenden Staates. Als Kämpfer gegen die Korruption war er einst an die Macht aufgestiegen, als er 2003 nach einer gefälschten Parlamentswahl von der Rosenrevolution unter Micheil Saakaschwili gestürzt wurde, wurden seiner eigenen Familie korrupte Machenschaften nachgesagt. Für das westliche Ausland freilich blieb er immer der Mann, der das Ende des Kalten Krieges begonnen hatte. Am Montag ist Eduard Schewardnadse in Tiflis im Alter von 86 Jahre gestorben.

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