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Zum Tod des Emirs von Kuweit : Die Region verliert ihren Vermittler

Galt als Vermittler: Scheich Sabah al-Ahmed al-Sabah, Emir von Kuwait Bild: dpa

Als Außenminister erlebte er noch die Invasion durch Truppen Saddam Husseins. Bis zuletzt träumte er von einem geeinten Golf. Ein Nachruf auf den verstorbenen Emir von Kuweit.

          2 Min.

          Im Juli war der kuweitische Emir Sabah al Ahmad al Sabah zur Behandlung in die Vereinigten Staaten geflogen worden. Am Dienstag wurde im Staatsfernsehen der Tod des 91 Jahre alten Monarchen bekannt gegeben. Das reguläre Programm war für Koranverse unterbrochen worden; ein Zeichen dafür, dass ein wichtiges Mitglied aus der herrschenden Familie gestorben ist.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Region hat einen ihrer erfahrensten Politiker und ein angesehener Vermittler und Schlichter verloren. Sabah al Ahmad al Sabah war von 1963 bis 2003 Außenminister seines Landes, danach drei Jahre Ministerpräsident, bevor er 2006 Staatsoberhaupt wurde. In dieser Zeit hat er einige Krisen erlebt – nicht zuletzt die Invasion durch die irakischen Truppen unter Saddam Hussein. Als Außenminister gewann Sabah al Ahmad al Sabah jene ausländische Unterstützung, welche die Befreiung seines kleinen Landes ermöglichte, unter dessen Boden die sechstgrößten Ölreserven der Welt lagern. Im Jahr 2012 besuchte er Bagdad, um die Beziehungen zu reparieren.

          Trotz der engen Bindung an Washington – etwa 13.000 amerikanische Soldaten sind in Kuweit stationiert – unterhielt der Emir auch gute Beziehungen zu Iran. Sabah al Ahmad al Sabah gilt als der Architekt einer unabhängigen und auf Neutralität bedachten kuweitischen Außenpolitik. Beobachter erwarten, dass sein Halbbruder, der 83 Jahre alte Kronprinz Nawaf al Ahmad al Sabah, diese Politik als sein Nachfolger fortführt.

          „Ein Brückenbauer“

          Bis zuletzt hatte der nun verstorbene Emir darum gekämpft, seinen Traum von einem geeinten Golf am Leben zu erhalten. Das fiel immer schwerer in einer Zeit, in der nicht mehr Männer wie er den Ton angeben, die auf Zurückhaltung, Besonnenheit und auf lange gewachsene persönliche Beziehungen setzen.

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          Jetzt sind es „Falken“ einer anderen Generation: Kronprinz Muhammad bin Salman in Riad und Muhammad bin Zayed in Abu Dhabi. Der kuweitische Emir, so heißt es, habe sie immer wieder als „diese jungen Leute“ bezeichnet. Vor allem der Bruderstreit zwischen Qatar auf der einen und dem saudisch-emiratischen Lager auf der anderen Seite machte ihm zu schaffen. Vor einem Jahr sagte er, es sei „nicht länger akzeptabel“, dass dieser Streit fortgeführt werde, der „unsere Fähigkeiten geschwächt und unsere Errungenschaften untergraben hat“. Darüber, dass die im Sommer 2017 verhängte Blockade gegen Qatar noch immer Bestand hat und es ihm nicht gelang, den Streit zu schlichten, zeigte sich Sabah al Ahmad al Sabah „bitter“.

          Auch im eigenen Land machte der verstorbene Emir Erfahrung mit Blockaden – nämlich im kuweitischen Parlament, das ihn einst an die Spitze des Staates befördert hatte, weil es den eigentlich vorgesehenen Kandidaten wegen seines schlechten Gesundheitszustandes für amtsunfähig erklärte. Nur hatte der Monarch im eigenen Land die Möglichkeit, die lähmenden Streitigkeiten mit einem Machtwort und der Auflösung des Abgeordnetenhauses zu beenden – und er machte immer wieder davon Gebrauch.

          Als 2011 in der Region die Aufstände der Arabellion ausbrachen, gab es auch in Kuweit Proteste und Spannungen. Kritiker haben Sabah al Ahmad al Sabah vorgehalten, die Meinungsfreiheit, die in Kuweit weit größer ist als anderswo am Golf, habe unter seiner Herrschaft gelitten. Dutzende wurden in den vergangenen Jahren unter dem Vorwurf festgesetzt, sie hätten den Emir beleidigt.

          Der jordanische König Abdullah würdigte ihn am Dienstag als „großen Bruder und weisen und liebenden Anführer“, der „für die Arabische Einheit keine Mühen scheute“. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, der Emir sei „ein außergewöhnliches Symbol für Weisheit und Großzügigkeit, ein Bote des Friedens, ein Brückenbauer“.

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