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Zum Tod von David Sassoli : „Ein großer Italiener und Europäer“

Trauer um EU-Parlamentspräsident David Sassoli, hier mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Antonio Costa (links) und Ursula von Leyen im Februar 2021 in Brüssel Bild: Reuters

Politiker der EU sind in Trauer. Ratspräsident Charles Michel würdigt den verstorbenen Parlamentspräsidenten David Sassoli als „aufrichtigen und passionierten Europäer“.

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          Die Nachricht vom Tod des EU-Parlamentspräsidenten David Sassoli übermittelte dessen Sprecher Roberto Cuillo mitten in der Nacht: Sassoli sei am frühen Dienstagmorgen gegen 1.15 Uhr in der onkologischen Abteilung der Klinik von Aviano bei Udine wegen „schwerer Komplikationen aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems“ gestorben. Sassoli, der am 30. Mai 1956 in Florenz geboren wurde, war seit dem 26. Dezember in der Klinik in Behandlung. Alle seine Termine waren um die Weihnachtszeit abgesagt worden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Schon im September war Sassoli an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, die offenbar durch eine Legionellen-Infektion verursacht worden war. Ein Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung bestätigte sich seinerzeit nicht. Gut zwei Monate lang konnte der italienische Sozialdemokrat seine Aufgaben als Präsident des EU-Parlaments nicht wahrnehmen.

          Mitte Dezember teilte er dann mit, er werde sich im Januar – nach Ablauf von rund der Hälfte der fünfjährigen Legislaturperiode – nicht nochmals um das Amt des Parlamentspräsidenten bewerben, sondern dieses gemäß einer informellen Vereinbarung mit der Fraktion der EVP zugunsten eines Kandidaten der Konservativen abgeben. Die EVP nominierte die 42 Jahre alte maltesische Politikerin Roberta Metsola für den Posten. Ihre Wahl zur Nachfolgerin Sassolis gilt als sicher.

          Von der Leyen: „Ein teurer Freund“

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte ihre „tiefe Trauer über den Tod eines großen Italieners und Europäers“, der ihr zugleich ein „teurer Freund“ gewesen sei. EU-Ratspräsident Charles Michel würdigte Sassoli als „aufrichtigen und passionierten Europäer“: „Wir vermissen schon seine menschliche Wärme, seine Großzügigkeit, seine Freundlichkeit und sein Lächeln.“ Der niederländische EU-Kommissar Frans Timmermanns schrieb auf Twitter, Sassolis Herzlichkeit sei „eine Inspiration für alle gewesen, die ihn kannten“.

          Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi teilte mit: „Als Mann der Institutionen, als überzeugter Pro-Europäer, als leidenschaftlicher Journalist war Sassoli ein Symbol für Ausgewogenheit, Menschlichkeit und Großzügigkeit.“ Diese Eigenschaften seien von allen seinen Kollegen aus allen politischen Richtungen und allen europäischen Ländern stets als Beweis für seine außerordentliche staatsbürgerliche Leidenschaft, seine Fähigkeit zuzuhören und sein ständiges Engagement im Dienste der Bürger anerkannt worden. PD-Chef Enrico Letta bezeichnete ihn als einen „Menschen von außergewöhnlicher Großzügigkeit und leidenschaftlichen Europäer“.

          Der Sozialdemokrat Sassoli war Teil des Personalpakets, das im Juli 2019 zwischen den Staats- und Regierungschefs vereinbart wurde, um die europäischen Spitzenposten zu besetzen. Er war bis dahin Leiter der italienischen Sozialdemokraten im Europäischen Parlament gewesen und profitierte davon, dass diese nach der Europawahl die zweitgrößte Gruppe in der Fraktion stellten – nach Spanien, das den Posten der Fraktionsvorsitzenden besetzte.

          Mit der Toskana zeitlebens verbunden

          Wie üblich, wurde seinerzeit vereinbart, den Parlamentsvorsitz aufzuteilen; in der zweiten Hälfte sollte ein Christdemokrat dieses Amt übernehmen. Sassoli selbst sondierte allerdings monatelang, ob er eine Mehrheit finde, um wiedergewählt zu werden. Er begründete das intern mit der Pandemie, die seinen Wirkungskreis beschränkt habe, zuletzt auch mit der gewachsenen Bedeutung der Sozialdemokratie nach dem Wahlsieg der SPD in Deutschland. Allerdings gelang es ihm nicht, die Liberalen im Parlament für sich zu gewinnen – diese folgten der Ansage Emmanuel Macrons, sich an die Absprache mit der EVP zu halten.  

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