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Ausnahmekarriere mit Makeln : Die Höhen und Tiefen des Colin Powell

  • -Aktualisiert am

Colin Powell im Mai 2006 in Madrid Bild: AP

Als amerikanischer Außenminister rechtfertigte Colin Powell Bushs Irak-Invasion. Später entfremdete sich der Republikaner von seiner Partei und wandte sich gegen Trump. Nun ist Powell an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

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          Rückblickend nannte Colin Powell jenen Februartag im Jahr 2003 einen „Schandfleck“ in seiner Biographie: Als Außenminister der Vereinigten Staaten präsentierte er im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und damit der Weltöffentlichkeit Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen, die den Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein rechtfertigen sollten. Powell war ursprünglich gegen ein militärisches Eingreifen gewesen.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Im Sommer 2002, als Präsident George W. Bush sich von Vizepräsident Dick Cheney und Leuten im Pentagon von der Notwendigkeit eines Regimewechsels in Bagdad überzeugen ließ, wandte Powell sich an den Präsidenten: Eine Invasion militärisch zum Erfolg zu führen sei nicht das Problem, sagte er. Doch was dann? Es folgte der später berühmt gewordene Satz: „If you break it, you own it“ – wer ein Regime stürze, trage die Verantwortung für das Land, sollte das heißen.

          35 Jahre als Berufssoldat gedient

          Dass Powell sich Monate später trotzdem einspannen ließ, um den Krieg zu legitimieren, bereute er wie keine andere Entscheidung in seinem Leben. Im Sicherheitsrat saß an jenem Tag CIA-Direktor George Tenet hinter ihm. Darauf hatte der Außenminister bestanden: Dessen Gegenwart sollte die Richtigkeit seines Vortrags belegen. Eineinhalb Jahre später musste sich Powell vor dem Kongress rechtfertigen. Er gestand ein, dass ein Großteil der geheimdienstlichen Erkenntnisse, die gegen den irakischen Gewaltherrscher ins Feld geführt wurden, falsch gewesen sei. Es sei unwahrscheinlich, sagte er zudem, dass man im Irak Massenvernichtungswaffen finden werde. Innerhalb der Bush-Regierung war Powell längst isoliert. Nach der Wiederwahl des Präsidenten im Herbst 2004 wurde er nicht wieder ins Kabinett berufen. Bush machte Condoleezza Rice, seine bisherige Nationale Sicherheitsberaterin, zur Außenministerin.

          Es war der traurige Schlusspunkt einer Ausnahmekarriere. Geboren in Harlem und aufgewachsen in der Bronx in New York als Sohn jamaikanischer Einwanderer, machte Powell als Berufssoldat Karriere. 35 Jahre war er im aktiven Dienst, den er als Viersternegeneral verließ. Zu seinen Stationen zählten ein Einsatz im Vietnam-Krieg wie auch das Kommando des V. Armeekorps in Frankfurt. Seine Tätigkeit für Verteidigungsminister Caspar Weinberger Anfang der Achtzigerjahre hatte ihn auf politische Verwendungen vorbereitet. 1986 ernannte ihn Ronald Reagan zum stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater. Anschließend übernahm er für ein Jahr die Leitung des Apparats im Weißen Haus. In dieser Position wie in vielen anderen war Powell der erste Afroamerikaner.

          Einer der ersten Republikaner gegen Trump

          Nach dem Ende der Amtszeit Reagans machte ihn George H.W. Bush zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs. Als ranghöchster Militär verantwortete er 1989 die Invasion in Panama, die zur Festnahme Manuel Noriegas führte, und auch den ersten amerikanischen Golfkrieg 1991 nach der Invasion Kuwaits durch Saddam Hussein. „Operation Desert Storm“ war völkerrechtlich unstrittig, aber auch eine Machtdemonstration Amerikas, das gerade den Kalten Krieg gewonnen hatte. Die Strategie, durch eine maximale Truppenstärke die Zahl der Opfer zu minimieren, wurde zur Powell-Doktrin.

          Als er wenige Monate nach Bill Clintons Amtsantritt seinen Posten niederlegte, genoss er gleichsam Heldenstatus. So verwunderte es nicht, dass man ihn bedrängte, 1996 als republikanischer Kandidat gegen Clinton anzutreten. Powell entschied sich dagegen. Nach vier Jahren als Außenminister George W. Bushs entfremdete er sich von der Partei, zu der er sich nach seinem Militärdienst bekannt hatte. 2008 sprach er sich für die Wahl Barack Obamas aus. Powell gehörte auch zu den ersten Republikanern, die sich gegen Donald Trump stellten: Dessen Unterstützung für die „Birtherism“-Bewegung, die unterstellte, Obama sei nicht in Amerika geboren worden und mithin nicht der legitime Präsident, bezeichnete er als Rassismus. Es war, wie man heute weiß, der erste Versuch Trumps, das Vertrauen der Amerikaner in ihren Staat zu erschüttern.

          2020 rief Powell zur Wahl Joe Bidens auf. Trump sei eine Gefahr für die amerikanische Nation, sagte er, was für Trump freilich Anlass war, die Amerikaner daran zu erinnern, dass Powell für die desaströsen Kriege im Mittleren Osten verantwortlich gewesen sei. Am Montag ist Powell, Vater von drei erwachsenen Kindern, im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung im Walter-Reed-Militärhospital in Bethesda in der Nähe von Washington gestorben.

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