https://www.faz.net/-gpf-15kaq

Zum Tod von Alexander Haig : Als Soldat politisch, als Politiker soldatisch

Zwei frühere Außenminister: Alexander Haig, im Hintergrund Henry Kissinger (im März 2006) Bild: REUTERS

Er bewegte Nixon zum Rücktritt, schaffte es jedoch nie selbst zum Präsidenten. Als Fernsehmoderator einer Wirtschaftssendung und als Buchautor hatte er mehr Fortune: Alexander Haig. Am Samstag starb der „Soldaten-Politiker“, frühere Oberbefehlshaber der Nato und amerikanische Außenminister im Alter von 85 Jahren.

          2 Min.

          Unter den zahlreichen „Soldaten-Politikern“ in der amerikanischen Geschichte gehörte Alexander Haig zu jenen, die auch in der Politik immer wie Soldaten handelten: Als Untergebener war er loyal bis zur Selbstaufgabe, als Vorgesetzter pflegte er - mitunter lautstark - Befehle zu erteilen und erwartete unbedingten Gehorsam.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Alexander Haig wurde am 2. Dezember 1924 nahe Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania geboren. Der Vater, Anwalt und Republikaner, starb früh, die Mutter zog die drei Kinder in der katholischen Tradition irischer Einwanderer alleine groß. Haig besuchte katholische Schulen und Hochschulen sowie die Militärakademie in West Point, wo er 1947 graduierte. Seine militärische Laufbahn wurde von Einsätzen in Korea sowie vor allem in Vietnam geprägt, von wo Haig 1967 im Range eines Obersten und mit zahlreichen Tapferkeitsauszeichnungen als Dozent nach West Point zurückkehrte.

          „Ich habe hier die Kontrolle“

          Der Ruf aus Washington ließ nicht lange auf sich warten: 1969 wurde Haig Mitarbeiter im Stab des Nationalen Sicherheitsberaters Henry Kissinger und unterstützte diesen unter anderem bei den Verhandlungen für ein Waffenstillstandsabkommen in Vietnam. 1973 wurde Haig im Pentagon Stellvertretender Stabschef des Heeres, doch bald schon kehrte er als Stabschef Nixons ins Weiße Haus zurück. In den letzten Monaten der Watergate-Affäre führte faktisch Haig die Amtsgeschäfte in einem chaotischen Weißen Haus. Haig war es, der Nixon schließlich zum Rücktritt bewegte und dessen Nachfolger Gerald Ford dazu überredete, seinen im Schimpf und Schande aus Washington gejagten Vorgänger bald zu begnadigen.

          Starb im Alter von 85 Jahren: Der amerikanische „Soldaten-Politiker” Alexander Haig

          Von 1974 bis 1979 war General Haig Oberbefehlshaber der Nato und der amerikanischen Streitkräfte in Europa, kurz vor seiner abermaligen Rückkehr nach Washington überstand er in Mons in Belgien einen spektakulären Anschlag der RAF unverletzt. Präsident Ronald Reagan holte Haig Anfang 1981 als Außenminister ins Kabinett. Doch wegen einer weithin als Amtsanmaßung interpretierten Äußerung nach dem Mordanschlag auf Reagan - „Ich habe hier die Kontrolle“, sagte Haig, ganz General im Weißen Haus, um die Nation zu beruhigen, obwohl Vizepräsident George H. W. Bush bloß auf einer kurzen Inlandsreise war - konnte sich Haig nur bis Juli 1982 an der Spitze des State Department halten.

          Ebenso glücklos verliefen Haigs Bemühungen um das Präsidentenamt: Er schied 1988 schon nach den ersten Vorwahlen aus. Als Fernsehmoderator einer Wirtschaftssendung und als Buchautor hatte Haig mehr Fortune. Am Samstag starb Haig an den Folgen einer Infektion in einem Krankenhaus in Baltimore. Präsident Barack Obama würdigte ihn als „großen Amerikaner“, der seinem Land herausragende Dienste geleistet habe.

          Weitere Themen

          „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          Neue Proteste in Amerika : „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“

          In Amerika gehen die Proteste mit unverminderter Kraft weiter. Drei frühere Verteidigungsminister sowie 86 weitere frühere Verteidigungspolitiker und Offiziere stellen sich derweil in einem Gastbeitrag gegen Trumps Militär-Drohung.

          Gemeinsam gegen Rassismus

          Solidarität mit George Floyd : Gemeinsam gegen Rassismus

          In Deutschland protestieren Zehntausende in mehreren Großstädten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Allein in München gehen mehr als 25.000 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Ländern kommt es zu Protesten – entgegen der Empfehlung der Behörden.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.