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Zum 40. Todestag : Che Guevaras Erben

  • -Aktualisiert am

„El Che vive!” - „Che lebt!” Bild: REUTERS

Boliviens Präsident Morales fremdelt in der Rolle des neuen „Che“, der kubanische Kampfgenosse Castro liegt darnieder und der venezolanische Staatschef Chávez mimt lieber den Bolívar. Dennoch ist in Lateinamerika der 40. Todestag des Guerilleros in aller Munde. Von Josef Oehrlein.

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          „Wir sind Guevaristas, Humanisten und Revolutionäre“, sagt Evo Morales. Für diese Haltung werde er sicher angefeindet, mutmaßt er. Auch dass er an der Gedenkfeier für sein Vorbild teilnehme, werde man ihm übel nehmen. Boliviens Präsident hat es nicht ganz leicht, in die Rolle des Erben von Ernesto „Che“ Guevara hineinzufinden, des edlen Revolutionärs, der vor vierzig Jahren in einem kleinen Nest im bolivianischen Bergland erschossen wurde.

          „Ich sage euch, der Che wird ewig leben, und sein heroischer Kampf zusammen mit kubanischen, argentinischen und lateinamerikanischen Genossen wird weitergehen, bis der wilde und inhumane Kapitalismus am Ende ist“, gelobt Morales tapfer an jener Stätte, an der der Leichnam des Guerrilleros 30 Jahre lang unentdeckt vergraben war. Ohne Hände. Man hatte sie abgeschnitten, um später die Identifizierung des Leichnams zu erleichtern.

          Vollender der Ideen ihres Vorbilds

          Nicht nur dort, an der Flugzeuglandepiste im bolivianischen Vallegrande, wo Guevaras sterblichen Überreste vor zehn Jahren entdeckt worden waren, wurde in diesen Tagen an den Tod des Helden erinnnert, der längst in allerhöchste Sphären des revolutionären Pantheons entrückt ist. Auch im 60 Kilometer entfernten Ort La Higuera sammelten sich Getreue zu einer „Vigil“. In den armseligen Ort war Che Guevara am 8. Oktober 1967 nach seiner Festnahme in der Schlucht von El Churo gebracht worden. In der schäbigen Schule des Fleckens wurde er am Tag darauf erschossen.

          Che Guevara im Januar 1965
          Che Guevara im Januar 1965 : Bild: dpa

          Revolutionäre Pflicht war eine Kundgebung in der kubanischen Stadt Santa Clara, der 300 Kilometer östlich von Havanna gelegenen Pilgerstätte, an der nun Ches Gebeine ruhen. Und in Venezuela wurde auf dem 4000 Meter hohen Berg „El Águila“ (Der Adler) eine Statue enthüllt, weil Guevara dort 1952 auf seiner Reise durch Südamerika geweilt hatte. Der Mythos Che Guevara erlebt in Lateinamerika eine Renaissance. Das liegt weniger an dem von der Revolution aufgezehrten Kuba als an Evo Morales und seinem Mentor, dem venezolanischen Staatschef Hugo Chávez, die sich ungeniert der Ikone des Che bedienen, um ihre Politik als revolutionär zu verkaufen - und sich selbst als Vollender der Ideen ihres Vorbilds.

          „Grüßt den Papa“

          Allerdings blieb Morales allein in Vallegrande, nichts wurde aus der Zusammenkunft gleich gesinnter Staatschefs, die sich dort versammeln wollten. Chávez und der Ecuadorianer Rafael Correa waren erwartet worden. In Kuba ist Ches einstiger Kampfgefährte Fidel Castro offenbar noch immer so geschwächt, dass er die neuerliche günstige Situation für einen noch so kurzen öffentlichen Auftritt ungenutzt verstreichen ließ. Er schickte immerhin seinen Bruder Raúl vor und überließ der Zeitung „Granma“ eine poetisch gedrechselte Hommage an Che Guevara: „Ich danke ihm für das, was er versucht hat zu tun und nicht tun konnte in seinem Geburtsland, denn er war wie eine Blume, die zu früh von ihrem Stengel gerissen wird.“

          Hugo Chávez kam nicht einmal zur Enthüllung des Che-Monuments auf den „Adlerberg“, sondern ließ seinen Vizepräsidenten Jorge Rodríguez die Zeremonie zelebrieren. Der trug immerhin die chavistische Amtskleidung, das rote Revolutionshemd. Chávez beschwört in seinen Reden zwar gern „den Che“, spielt aber am liebsten doch Simón Bolívar, den Befreier. Anscheinend überlässt er die Rolle des Che-Erben und -Testamentvollstreckers in einer Art revolutionärer Arbeitsteilung seinem bolivianischen Famulus Morales, auch wenn dessen schauspielerisches Talent nicht ganz mit dem des Venezolaners mithalten kann.

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