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Zukunft der Ukraine : Eine simple Zweiteilung wäre nicht ausreichend

  • -Aktualisiert am

Wie geht es nach dem Referendum weiter in der Ukraine? Bild: REUTERS

Die Botschaft, die der Westen mit seiner Politik in der Ukraine verbreitet, ist klar: Die Westukraine gehört zu „unserem“, die Ostukraine zum „russischen Europa“. Aber stimmt das auch?

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          ie Krise in der Ukraine hat auf allen Seiten die Geopolitik auf die Tagesordnung zurückgebracht – und damit auch die Rede von „Ost“ und „West“. Das geopolitische Denken kreist um Machtsphären und Wirtschaftsinteressen. Nicht nur Politiker in Moskau und Kiew denken so, auch führende Wissenschaftler im Westen. So fasste der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler die Scheidelinien in der Ukraine kürzlich so zusammen: „Die Grenze, die durch die Ukraine verläuft, entspricht jener Grenze, die auch Europa teilt: der katholische Westen mit seinen historischen Verbindungen zum Habsburger Reich und Polen; der orthodoxe Osten mit den Banden zu Russland.“ Die Botschaft ist klar: Die Westukraine gehört mit Geschichte und Religion zu „unserem“ Europa, die Ostukraine zum anderen, dem „russischen“ Europa. Aber stimmt das auch?

          Unterschied der Kulturen und Mentalitäten

          Selbstverständlich erklären die historischen, politischen, nationalen und konfessionellen Einflüsse für die heutige Ukraine jenen gewissen Unterschied der Kulturen und Mentalitäten zwischen Ost und West. Seit 1989 ist es in westukrainischen Städten wie Lemberg (Lviv) üblich, sich im kulturellen Raum des alten habsburgischen Kronlands Galizien zu verorten. Einige vergilbte Franz-Joseph-Portraits hängen nun wieder in Lemberger Kaffeehäusern. Die Kaiserportraits erinnern an 150 Jahre Geschichte im alten Österreich-Ungarn, die nostalgisch als gelungene Zeit des Zusammenlebens idealisiert wird.

          Doch die von der neuen Geopolitik geschaffenen Gegensätze zwischen den Imperien der Habsburger und der Romanovs, zwischen Katholizismus und Orthodoxie führen in die Irre. Sieht man genauer hin, sind die Ukraine und ihre Geschichte weder bi-national noch bi-konfessionell. Deshalb sind auch Zweifel angebracht, ob eine Aufteilung des Landes oder eine Abspaltung die Probleme lösen kann. Die Geschichte hält eine andere Lektion parat.

          Eine Frau hält am Sonntag in Simferopol eine russische Flagge in die Höhe
          Eine Frau hält am Sonntag in Simferopol eine russische Flagge in die Höhe : Bild: AFP

          Schon einmal sollte die Region föderalisiert werden, um ethnische und konfessionelle Konflikte zu entschärfen. Das war im Galizien der Habsburgermonarchie, dessen westlicher Landesteil mit Krakau heute zu Polen gehört, während der östliche Teil mit Lemberg Teil der Ukraine ist. Im Revolutionsjahr 1848 geriet in Wien binnen weniger Wochen und Monate der Absolutismus Metternichs ins Wanken. Galizien hatte gerade einen Bürgerkrieg zwischen Polen und Ruthenen, wie die späteren Ukrainer damals noch genannt wurden, hinter sich. Die Lage hatte sich zwar beruhigt. Doch landeten auf den Tischen der Gemeindepfarrer und Dorfvorsteher Fragebögen und Petitionsformulare. „Möchtet Ihr, dass Eure Kinder in russischsprachige Schulen gehen?“, mit solchen Fragen warb der Zentrale Nationalrat der Ruthenen in Lemberg um Unterschriften. Damit wollte er Druck machen auf den österreichischen Reichstag, der in der Kleinstadt Kremsier eine Verfassung ausarbeitete; die Ruthenen drangen auf eine föderale Teilung Galiziens. Hunderttausende Unterschriften kamen zusammen, es wurde die mit weitem Abstand größte Petition an den Reichstag, wenn nicht sogar in der Geschichte der Habsburgermonarchie überhaupt.

          Simple territorial-föderale Landesteilung hilft nicht weiter

          Damals wurde ähnlich wie heute argumentiert. Der ruthenische Lemberger Bischof Gregor Jachimowicz nannte als Grund der Föderalisierung „hauptsächlich die Eigenthümlichkeit des ruthenischen Volkes in Sprache, Schrift und literarischer Ausbildung, in der Differenz des Religions-Ritus, der Sitten und Gebräuche, in der Volksstimmung, der Anhänglichkeit an das geliebte Kaiserhaus und in dem besonderen Volksinteresse überhaupt“. Die Polen, gegen die Jachimowicz anschrieb, galten als viel weniger dynastietreu und als dominant in Sprache, Kultur sowie ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung.

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