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Zugriff in Abbottabad : Vierzehn Jahre Suche, vierzig Minuten Kampf

  • -Aktualisiert am

Versteckt vor aller Augen: das Anwesen von Usama Bin Ladin Bild: AFP

Sie hatten keinen Telefonanschluss und verbrannten ihren Müll im Garten - schon länger beobachtete der CIA das Anwesen, das Bin Ladin als Versteck diente. Ein Kurier wies den Weg.

          6 Min.

          Nur etwa 40 Minuten dauerte der Einsatz der Seal-Eliteeinheiten der amerikanischen Kriegsmarine zur Tötung Usama Bin Ladins. Damit ging die Suche nach dem Gründer und Führer des Terrornetzes Al Qaida zu Ende, die mehr als ein Jahrzehnt gedauert hatte. Die ersten vielversprechenden Hinweise auf den Aufenthaltsort Bin Ladins gab es, wie Präsident Obama in seiner Fernsehansprache sagte, dann im August 2010. Fast neun Jahre zuvor, im Dezember 2001, hatte sich die Spur des Terroristenführers verloren, nachdem es ihm mit seinem ägyptischen Stellvertreter Ayman al Zawahiri und einigen Dutzend Al-Qaida-Kämpfern und Taliban gelungen war, sich vor den anrückenden amerikanischen Truppen über die Tora-Bora-Berge von Afghanistan nach Pakistan abzusetzen. Seither war oft die Vermutung geäußert worden, Bin Ladin halte sich weiter im unzugänglichen Bergland des pakistanisch-afghanischen Grenzgebiets auf.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wie lange Bin Ladin schon in dem Versteck in Abbottabad lebte, ist bisher noch unklar. Der ausladende dreistöckige Gebäudekomplex in einem Vorort von Abbottabad wurde offenbar vor fünf Jahren errichtet, immer wieder wurden Anbauten und Schutzmauern hinzugefügt. Erste Indizien, dass sich Bin Ladin dort versteckt halten könnte, gewannen die amerikanischen Geheimdienste dank der Überwachung eines Kuriers, der schon seit längerem unter Beobachtung stand. Das Haus zog die verstärkte Aufmerksamkeit der Dienste auf sich, weil es trotz seiner stattlichen Größe über keinen Telefonanschluss und keine Internetverbindung verfügte. Zudem verbrannten die Bewohner ihren Müll auf dem Gelände statt ihn wie alle anderen in der Nachbarschaft zur Abholung durch die Müllabfuhr auf die Straße zu stellen.

          Eigens als Versteck errichtet

          Auf die Spur des Kuriers kam der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA offenbar dank Informationen, die bei Verhören von Terrorverdächtigen im Gefangenenlager Guantánamo Bay gewonnen worden waren. Wie amerikanische Medien am Montag unter Berufung auf ranghohe Geheimdienstmitarbeiter berichteten, kannten die amerikanischen Ermittler seit vielen Jahren den Decknamen des Kuriers, der ein Schützling von Khalid Scheich Mohammed war, des Chefplaners der Terroranschläge des 11. September 2001. Dieser hatte den Kurier offenbar selbst an Bin Ladin empfohlen, der sich auf die Dienste des Mannes als Kommunikationskanal zur Außenwelt verließ. Schon vor vier Jahren war es der CIA gelungen, den wirklichen Namen des Kuriers zu ermitteln. Doch weitere zwei Jahre dauerte es, um herauszufinden, in welcher Region Pakistans der Mann operierte. Im August vergangenen Jahres schließlich konnte der Kurier mit dem Gebäudekomplex in Abbottabad in Verbindung gebracht werden, wo er aus und ein ging.

          Innenansicht des Anwesens: ein Bett nach den Kämpfen in Abbottabad

          In den folgenden Wochen nahmen die Ermittler der CIA das Gebäude durch Aufnahmen von Spionagesatelliten unter die Lupe und holten weitere Informationen durch Spione an Ort und Stelle ein. Das Weiße Haus wurde von diesem Zeitpunkt an regelmäßig über die neue heiße Spur unterrichtet. Im September gelang die zuständige Abteilung bei der CIA zu der Überzeugung, es bestehe die „starke Möglichkeit“, dass sich tatsächlich Bin Ladin in dem Anwesen auf einer Anhöhe in einem Vorort von Abbottabad aufhalte, das von vier Meter hohen Mauern samt Stacheldrahtverhau umgeben war. Bei den Ermittlern der CIA festigte sich die Überzeugung, der Gebäudekomplex sei eigens als Versteck für Bin Ladin errichtet worden. Zur Tarnung seien zwei Kuriere Bin Ladins sowie einige andere Männer und Frauen als Bewohner in dem Haus untergebracht worden.

          Zwei Dutzend Seals seilten sich über dem Komplex ab

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