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Streit über Zölibat-Buch : „Unter Mitarbeit von Benedikt XVI.“

Der emeritierte Papst und sein Privatsekretär: Benedikt XVI. und Erzbischof Georg Gänswein Bild: dpa

Der emeritierte Papst hat in einem neuen Buch mit Aussagen zum Zölibat Aufsehen erregt. Nun bestreitet er, Koautor des Werks zu sein. Wurde er von konservativen Kräften instrumentalisiert?

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          Papst Benedikt XVI. hat verfügt, dass sein Name sowie das Autorenbild vom Umschlag des umstrittenen Buches von Kurienkardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat entfernt werden. Wie Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär von Benedikt XVI., am Dienstagmittag der Katholischen Nachrichten-Agentur in Rom mitteilte, habe er eine entsprechende Bitte des emeritierten Papstes Sarah am Morgen telefonisch übermittelt. Auch solle der Autorenname Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen des Buches „Des profondeurs de nos cœurs“ (Aus der Tiefe unserer Herzen) gestrichen werden, weil der emeritierte Papst diese nicht mitverfasst habe. Allein der Beitrag im Hauptteil des Buches, den er unter seinem Namen verfasst habe, stamme „zu hundert Prozent“ von Benedikt XVI. und sei von diesem zur Publikation autorisiert worden, sagte Gänswein.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Buch sollte an diesem Mittwoch beim Pariser Verlag Fayard im französischen Original erscheinen, für Februar war die Veröffentlichung von Übersetzungen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland vorgesehen. Nach Angaben Gänsweins hat Benedikt XVI. keinen Vertrag mit Fayard als Ko-Autor für das Buch abgeschlossen. Zwar habe der emeritierte Papst die Veröffentlichung seines Textes in einem Buch Sarahs ausdrücklich autorisiert, es habe aber keine klare Vereinbarung über Form und Aufmachung des geplanten Buches gegeben.

          „Es handelte sich um ein Missverständnis, ohne dabei die guten Absichten von Kardinal Sarah in Zweifel zu ziehen“, sagte Gänswein. Der vollständige Text des Buches ist bislang nicht bekannt. Laut der Vorabveröffentlichung von Auszügen durch die Zeitung „Le Figaro“ stammen die Benedikt XVI. zugewiesenen Äußerungen über den Zölibat offenbar aus jenem Teil des Buches, der auch nach Gänsweins Aussage vom emeritierten Papst verfasst wurde.

          „Benedikt XVI. erhielt Vorabexemplar“

          Den Text über das Priestertum und die grundlegende Notwendigkeit des Zölibats hatte der emeritierte Papst im Sommer 2019 verfasst, also vor der Amazonas-Synode im Vatikan vom Oktober. Im Abschlussdokument der Synode wird die begrenzte ausnahmsweise Lockerung des Zölibats befürwortet, um in den entlegenen Gebieten Amazoniens verheiratete Männer, die bereits als Diakone tätig sind, zu Priestern weihen zu können. Papst Franziskus hat mehrfach bekräftigt, dass er eine generelle Lockerung des Gebots der Ehelosigkeit für Priester ablehnt. Grundsätzlich dürfe der Zölibat „nicht optional sein“, so Franziskus, doch in den entferntesten Regionen der Welt solle es angesichts des Priestermangels andere „Möglichkeiten geben“.

          In einer am Dienstagmorgen veröffentlichten Mitteilung schilderte Sarah seine Version vom Zustandekommen des Buchprojekts. Danach habe er Benedikt XVI. am 19. November ein vollständiges Manuskript des Textes, einschließlich eines Umschlagentwurfs sowie der gemeinsam verfassten Einleitung und Schlussfolgerungen zukommen lassen. In einem Schreiben vom 25. November habe Benedikt XVI. das Imprimatur erteilt. Am 3. Dezember, so Sarah, habe er sich abermals persönlich beim emeritierten Papst in dessen Wohnsitz im ehemaligen Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan für die Zusammenarbeit bedankt und Benedikt XVI. über den 15. Januar als Publikationstermin des Buches informiert. In seiner Mitteilung legt Sarah nahe, er habe Benedikt XVI. schon „Anfang Januar“ ein Vorabexemplar des Buches überreicht.

          Sarah verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf, er habe Benedikt XVI. für seine persönlichen Absichten ausgenutzt. Er kündigte jedoch am Dienstagnachmittag an, dass das von ihm herausgegebene Buch „in künftigen Ausgaben“ nur noch unter seinem Namen erscheinen werde. Der Text werde jedoch nicht verändert, sondern mit dem Zusatz „unter Mitarbeit von Benedikt XVI.“ veröffentlicht. Anhänger von Franziskus argwöhnen, konservative Kreise in der Kurie um Sarah missbrauchten den greisen Benedikt XVI. für ihre eigene politische Agenda, um den Reformkurs von Franziskus zu torpedieren.

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