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Zimbabwe : Das Ende der Ära Mugabe

Robert Mugabe, der damalige Präsident Zimbabwes, verfolgt im Juni die Feierlichkeiten zum Tag des afrikanischen Kindes in Harare. Bild: UFUMELI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Nach 40 Jahren gibt Robert Mugabe die Geschicke Zimbabwes aus der Hand – zur Freude der Bevölkerung. Doch besteht für die Menschen in dem armen Land nun Grund zur Hoffnung?

          „Ich, Robert Gabriel Mugabe, reiche hiermit gemäß Absatz 96 der Verfassung von Zimbabwe formal meinen Rücktritt mit unmittelbarer Wirkung ein.“ Mit diesem Satz ist am Dienstagabend nach fast 40 Jahren eine Ära zu Ende gegangen. Wenige Stunden nach Beginn des Amtsenthebungsverfahrens gegen Mugabe las Parlamentspräsident Jacob Mudenda den Satz aus einem Brief des 93 Jahre alten früheren Freiheitskämpfers vor. Sofort brachen die Abgeordneten in wilden Jubel aus. Das Amtsenthebungsverfahren wurde abgebrochen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Genau eine Woche lang hatte sich Zimbabwes „Old Man“, wie der älteste Regierungschef der Welt in seinem Land genannt wird, an die Macht geklammert, obwohl er so gut wie keine Unterstützer mehr hatte. In der vergangenen Woche hatte das Militär einen Staatsstreich gegen ihn vollzogen. Vor zwei Tagen schloss ihn seine eigene Partei Zanu-PF aus. Mugabe aber ignorierte den Beschluss und antwortete mit einer konfusen Fernsehansprache. Am Montag dann ließ er eine von der Partei in einem Rücktrittsultimatum gesetzte Frist verstreichen und berief noch für Dienstag die reguläre Kabinettssitzung ein, zu der jedoch kaum ein Minister mehr erschien.

          Es gab keine Aussicht, dass der ehemalige Widerstandskämpfer das von den eigenen Gefolgsleuten initiierte Amtsenthebungsverfahren überstehen könnte. Die Regierungspartei Zanu-PF hat die nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament, auch die Oppositionsparteien wollten für eine Absetzung des Präsidenten stimmen, der sich während seiner Amtszeit von einem Hoffnungsträger und Befreier zum Despoten gewandelt hatte.

          Schnappt „das Krokodil“ nun zu?

          Schon in Erwartung seiner Absetzung hatten am Wochenende Zigtausende Bürger auf den Straßen gefeiert und Soldaten umarmt. Normalerweise hatte das Militär Demonstrationen gegen Mugabe mit Gewalt niedergeschlagen, jetzt begleiteten Panzer die Menschen. Nun dürfte der Weg für den früheren Vizepräsidenten Emmerson Dambudzo Mnangagwa frei sein, die Präsidentschaft zu übernehmen. Mnangagwa hatte am Dienstagmorgen Mugabe aus dem Ausland in deutlichen Worten zum Rücktritt aufgefordert. Er war von jungen Jahren an ein enger Verbündeter, doch Mugabe hatte ihn Anfang November abrupt abgesetzt, um seiner Ehefrau Grace den Weg an die Macht zu ebnen. Angeblich flüchtete Mnangagwa danach nach Südafrika, weil er um sein Leben fürchtete. Er werde erst zurückkehren, wenn seine Sicherheit garantiert sei, hatte er mitgeteilt.

          Die Hoffnung auf einen Wandel unter seiner Führung dürfte sich jedoch als trügerisch erweisen. Der Putsch des Militärs zielte ausschließlich darauf ab, die alten Machtverhältnisse in Zimbabwe wieder herzustellen. Diese waren durch das Vorpreschen der machthungrigen „Gucci-Grace“, wie die First Lady in Zimbabwe wegen ihres Hangs zum Luxus genannt wird, und einer jüngeren Gruppe von Parteimitgliedern namens „Generation 40“ zuletzt in Gefahr geraten.

          Sowohl Mnangagwa – im Volksmund als „das Krokodil“ bezeichnet – wie auch der Kommandeur der Streitkräfte, Constantino Chiwenga, hatten Mugabe jahrzehntelang gestützt. Sie schreckten auch vor Gewalttaten und Massakern nicht zurück und häuften immensen Reichtum an, während das rohstoffreiche und fruchtbare Land wegen einer desaströsen Wirtschaftspolitik nahezu kollabierte.

          Schätzungen nach sind heute mehr als 90 Prozent der Zimbabwer arbeitslos, rund drei Millionen Menschen flüchteten in das Nachbarland Südafrika. Die einstige Kornkammer Afrikas muss Lebensmittel importieren. Die Wirtschaftsleistung sinkt rapide, nach einer Hyperinflation vor einigen Jahren zeichnet sich eine neue Inflationsphase ab. Noch dazu verschreckt eine akute Dollarknappheit Investoren, die ihr Geld nicht mehr außer Landes schaffen können.

          Doch Mnangagwa ist nicht nur 18 Jahre jünger als Mugabe, er gilt auch als pragmatischer und weniger ideologisch. Dies schürt die Hoffnung, dass er die dringend benötigten Reformen einleitet, um beispielsweise Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu erhalten. „Das ist ein großer Moment für die Menschen in Zimbabwe“, sagte Nelson Chamisa von der Oppositionspartei MDC. „Wir wollen jetzt einen neuen Anfang machen.“

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