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Zentralasien : Weltweit Sorge über Lage in Usbekistan

  • Aktualisiert am

Blumen erinnern an die Toten Bild: REUTERS

Die Lage in Usbekistan bleibt nach den blutigen Unruhen der letzten Tage weiter gespannt. Die Opposition sprach von „mindestens 745 Todesopfern“. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief zu Gewaltverzicht auf, Washington zeigte sich „tief beunruhigt“.

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          Die Lage in der zentralasiatischen Republik Usbekistan bleibt nach den blutigen Unruhen der letzten Tage weiter gespannt.

          Usbekische Agenturen meldeten am Dienstag weitere Schießereien aus dem Grenzgebiet zu Kirgistan, wo sich tausende Flüchtlinge aufhielten. Die usbekische Opposition sprach von „mindestens 745 Todesopfern“ bei den Militäreinsätzen in den vergangenen Tagen.

          Annan: Auf Gewalt verzichten

          Die amerikanischen Regierung zeigte sich „tief beunruhigt“ über das gewaltsame Vorgehen usbekischer Regierungstruppen gegen unbewaffnete Demonstranten. „Natürlich verurteilen wir den wahllosen Einsatz von Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten“, sagte der amerikanische Außenamtssprecher Richard Boucher am Montag in Washington. Man habe die usbekische Führung zur Zurückhaltung aufgerufen, sagte Boucher.

          Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an alle Beteiligten, Zurückhaltung zu üben. Annan habe die Konfliktparteien aufgefordert, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten und mit einem zur Unterstützung der Flüchtlinge an die usbekisch-kirgisische Grenze entsandten UN-Notfallteam zusammenzuarbeiten, sagte ein Sprecher Annans am Montagabend in New York.

          Soldaten schossen auf Frauen und Kinder

          Augenzeugen hatten berichtetet, wie Soldaten in der Stadt Andischan am Freitag auf friedliche Demonstranten schossen, darunter auch Frauen und Kinder. Die usbekische Führung sprach von einem „tapferen“ Vorgehen des Militärs gegen „bewaffnete Extremisten“. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands in Andischan nahm die usbekische Polizei am Montag nach eigenen Angaben etwa 70 Menschen fest, die als mutmaßliche Aufrührer galten. Die Truppen riegelten das Stadtzentrum mit Schützenpanzern ab. Soldaten verschanzten sich in den Straßen hinter Sandsäcken.

          Von allen Friedhöfen der 300.000-Einwohner-Stadt Andischan wurden zahlreiche Beerdigungen gemeldet. Die Nachrichtenlage blieb im Konfliktgebiet unübersichtlich, nachdem das Militär Journalisten zum Verlassen von Andischan zwang.

          „Das ist Völkermord“

          „Das ist Völkermord“, sagte der Leiter der Menschenrechtsgruppe „Appell“ in Andischan, Saiddschahon Sajnabitdinow. Nach seinen Angaben wurden in der 30 Kilometer nordöstlich gelegenen Stadt Pachtabad am Samstag 200 weitere Demonstranten von Soldaten erschossen.

          Sollten die Schätzungen von insgesamt mehr als 700 Toten zutreffen und die Verantwortung dafür wirklich bei den Streitkräften liegen, wäre dies das folgenschwerste Blutvergießen staatlicher Kräfte im eigenen Lande seit dem Tiananmen-Massaker vom Juni 1989 in Peking. Auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ starben damals nach Angaben westlicher Nachrichtenagenturen bis zu 5000 Chinesen, bis zu 20.000 wurden verletzt.

          Gefangenenbefreiung als Auslöser

          Auslöser der Unruhen in Usbekistan war ein Prozeß gegen 23 Geschäftsleute, denen Kontakte zu einer verbotenen islamischen Partei vorgeworfen wurden. Demonstranten befreiten am Freitag rund 2000 Häftlinge in Andischan, darunter die Angeklagten. Am darauf folgenden Abend war usbekisches Militär gegen das von den Aufständischen besetzte Gebäude der Gebietsverwaltung vorgegangen.

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