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Zentralafrikanische Republik : Harter Kampf um jeden Verbündeten

Kongolesische Soldaten hielten den Vormarsch der Rebellen zeitweise auf. Bild: dapd

François Bozizé steht mit dem Rücken zur Wand. Frankreich, das unter Hollande in Afrika eine zurückhaltende Politik betreibt, will den Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik nicht mit einer Intervention retten.

          3 Min.

          Die Stimme klang fast flehentlich: „Lassen Sie mich mein Mandat beenden. Mir bleiben nur noch drei Jahre“, sagte der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé, in seiner Neujahrsbotschaft. Der Mann, der sich 2003 selbst an die Macht geputscht hatte, gerät immer stärker unter den Druck vorrückender Rebellen. Deren Allianz Séléka will von Bozizés Angeboten nichts hören, auch nicht von jenem einer gemeinsamen Koalitionsregierung. Ein Sprecher erneuerte am Montag seinen Aufruf zum Rücktritt des Präsidenten. „Bozizé hat schon viel gesagt, aber noch nie sein Wort gehalten“, sagte er und kündigte auch an, dass die Aufständischen nach ihren bedeutenden Gebietsgewinnen der vergangenen drei Wochen nun auch die Stadt Damara, 75 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bangui, einnehmen wollten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Bozizé muss nun um jeden einzelnen Verbündeten kämpfen. Trotz seiner Bitten ist die ehemalige Kolonialmacht Frankreich nicht zu einer militärischen Intervention bereit. Die Franzosen wollen unter François Hollande eine zurückhaltende Afrika-Politik verfolgen, die mit der gezielten Machtausübung der Vergangenheit brechen soll. Frankreich hat seine Truppenpräsenz kürzlich zwar auf knapp 600 Soldaten verstärkt, doch nach Aussage der französischen Regierung sollen die am Flughafen stationierten Militärs nur französische und europäische Staatsbürger schützen.

          Amerika schließt Botschaft

          Die Vereinigten Staaten haben ihre Botschaft in Bangui gleich ganz geschlossen. Sie sind ebenfalls mit Militärs in der Zentralafrikanischen Republik vertreten, doch das geht weitgehend auf die Jagd nach dem als Kriegsverbrecher international gesuchten Ugander Joseph Kony und seiner „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA) zurück. Frankreich und die Vereinigten Staaten riefen die Konfliktparteien lediglich zu friedlichen Gesprächen auf. In manchen französischen Medien wird auch die Befürchtung laut, dass in der Zentralafrikanischen Republik ein Machtvakuum wie in Mali entstehen könnte, das radikale islamistische Kräfte für sich nutzen könnten.

          Francois Bozizé am 30. Dezember während einer Pressekonferenz in Bangui

          Immerhin schien die multinationale Eingreiftruppe für Zentralafrika, Fomac, bestehend aus Soldaten verschiedener Staaten der Region, nach Medienberichten ihre Präsenz in der Hauptstadt zuletzt zu verstärken. Allerdings hat die Truppe schon in den vergangenen Wochen den Vormarsch der Aufständischen nicht verhindert. Bozizé dankte in seiner Neujahrsansprache ausdrücklich den Soldaten des Nachbarstaates Tschad, der sein langjähriger Verbündeter ist. Die eigenen Militärs kritisierte er dagegen wegen der umfangreichen Gebietsverluste.

          Studentenproteste blutig unterdrückt

          Zum Jahreswechsel bietet die Zentralafrikanische Republik wieder einmal ein Bild der Zerrissenheit. Opfer ist die Bevölkerung, die nach Bericht von Menschenrechtsgruppen zu Tausenden in die Flucht geschlagen wird. Die Zentralafrikanische Republik ist ein heruntergewirtschaftetes Land, das seit Jahrzehnten unter der Korruption seiner Eliten und den Eingriffen mächtigerer Nachbarstaaten leidet. Schon die Biographie des Präsidenten Bozizé spricht Bände: Zum Brigadegeneral wurde er 1978 vom früheren „Kaiser“ Jean-Bédel Bokassa ernannt, der zuerst Schützling Frankreichs war, dann aber von den Franzosen gestürzt wurde.

          An der blutigen Unterdrückung von Schülerprotesten war Bozizé 1979 aktiv beteiligt. Später musste er mehrmals ins Exil fliehen, weil er die Unterstützung wechselnder Machthaber verlor. 2003 gelang ihm im zweiten Anlauf der Sturz des gerade im Ausland weilenden Präsidenten Ange-Félix Patassé, dem er in der Vergangenheit zur Seite gestanden hatte. 2005 wurde Bozizé zum Präsidenten gewählt; doch die Kritik an den Wahl-Umständen ist nie abgeflaut.

          Wirtschaftlich gehört das Land mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern zu den ärmsten der Welt, obwohl es über umfangreiche Vorkommen an Gold, Diamanten und Uran verfügt. In einem Bericht der International Crisis Group vom Dezember 2010 heißt es, dass Bozizé den Diamantenhandel für sich und seine ethnischen Verbündeten kontrolliere. Eine Uranmine bei Bakouma, die dem weltgrößten Nuklearkonzern Areva aus Frankreich gehört, ist im Sommer von Rebellen überfallen worden. Die Mine ist allerdings nicht in Betrieb. Nach Medienberichten in Frankreich ist Areva daran interessiert, sich von ihr zu trennen, denn die politische Unsicherheit ist hoch und die Uranpreise sind seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima verfallen.

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