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Frankreich : Zemmour-Anhänger greifen Aktivisten und Journalisten an

Zemmour-Anhänger am Sonntag bei einer Kundgebung in Villepinte bei Paris Bild: AFP

Eric Zemmour wirbt mit einem strammen Law-and-Order-Kurs. Aber die erste Wahlkampfkundgebung des französischen Präsidentschaftskandidaten war von Gewalt und Chaos geprägt.

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          Bei der ersten Kundgebung des rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour ist es am Sonntag zu gewalttätigen Übergriffen auf Journalisten und Aktivisten der Organisation „SOS Racisme“ gekommen. Der Sprecher von SOS Rassismus, Dominique Sopo, sagte am Montag im Radiosender France Info, er habe nicht mit einem solchen Ausmaß an Gewalt gerechnet. „Die Brutalität war unvorstellbar“, sagte er.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Aktivisten seiner Organisation waren nach Sopos Worten zu „friedlichem Protest“ zu der Wahlkundgebung gekommen und hatten in den hinteren Rängen Plakate mit der Aufschrift „Nein zum Rassismus“ hochgehalten. Sie wurden von jungen Zemmour-Anhängern geschlagen und mit Stühlen beworfen. Fünf von ihnen erlitten Verletzungen. „Ich erwarte, dass die Justiz die Täter verfolgt“, sagte Sopo.

          Renson: Zemmour sät Chaos

          „Zemmour legitimiert die Gewalt“, sagte der sozialistische Parteivorsitzende Olivier Faure. Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Anne Hidalgo verurteilte die „unerträgliche Gewalt“: „Diese Gewalt hat in unserer Republik nichts zu suchen.“ Der Vizepräsident der Nationalversammlung, Hugues Renson (LREM) warf Zemmour vor, das Land zu spalten. „Er gibt vor, wieder Ordnung zu schaffen, aber sät Chaos“, sagte Renson.

          Zemmour behauptete in seiner Wahlkampfrede, von einer „Meute von Politikern, Journalisten und Dschihadisten“ verfolgt zu werden. Aus dem Wahlkampfstab Zemmours hieß es, der Präsidentschaftskandidat sei bei einer Schlägerei zu Beginn der Veranstaltung am Handgelenk verletzt worden. Der 63 Jahre alte Politiker sei auf dem Weg zur Bühne von einem Mann gewaltsam an der Hand gepackt worden. Nach dem Vorfall ließ sich Zemmour von Tausenden Anhängern feiern. Das Team einer kritischen Fernsehsendung wurde ausgebuht und von Sicherheitskräften aus der Halle geholt.

          In Paris protestierten nach Angaben der Präfektur etwa 2200 Menschen gegen Zemmour, dem sie Rassismus vorwarfen. Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus Dutzenden Gewerkschaften, Parteien und Verbänden aufgerufen. Die Organisatoren sprachen von 10 000 Teilnehmern. „Es ist wichtig, zu zeigen, dass wir nicht zulassen, dass der Faschismus an Boden gewinnt“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Solidaires.

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