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Zemans Abkehr von China : Enttäuscht von den mächtigen Männern der Welt

Bessere Zeiten: Zeman mit Xi in Prag im März 2016 Bild: Imago

Er mischt sich in politische Debatten und Personalfragen ein: Miloš Zeman gilt als der treueste Verbindungsmann zwischen China und der EU. Warum sich der tschechische Präsident nun trotzdem von Peking abkehrt.

          5 Min.

          Die längste Zeit galt Miloš Zeman als der treueste Verbindungsmann Chinas in der Europäischen Union. Fünfmal ist der tschechische Präsident bereits nach Peking gereist, seit er vor bald sieben Jahren in sein Amt auf der Prager Burg gewählt worden ist. Ebenso regelmäßig empfängt er Besucher aus Peking. Vor allem aber trat er in politischen Debatten, in denen Kritik an Handlungen oder Positionen Chinas geäußert wurde, als dessen Verteidiger hervor. Er mischte sich in Personalia von Botschaftern bis angeblich hin zu Museumsdirektoren ein, um die Entfernung chinakritischer Leute zu erwirken. Umso überraschender musste die Kehrtwende erscheinen, als Zeman zwischen dem europäischen und dem chinesischen Neujahr eine geplante Reise nach Peking absagte und das ausdrücklich mit Enttäuschung über China begründete.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Über Medien richtete Zeman Mitte Januar aus, er werde nicht an dem für April geplanten Gipfeltreffen von 17 europäischen Staaten und China teilnehmen, der sogenannten 17+1-Gruppe. „Ich meine, dass China seine Versprechen nicht eingehalten hat. Ich spreche von Investitionen“, sagte Zeman. Außerdem sei er schon fünfmal dort gewesen, es sei nun an der Zeit, dass jemand anderes gehe, ergänzte er. Der andere, den er als Vertreter schicken will, ist aber nicht Ministerpräsident Andrej Babiš, Gründer und Chef der Partei ANO, sondern nur der stellvertretende Regierungschef Jan Hamáček von der sozialdemokratischen ČSSD.

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