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Staatsbesuch in Berlin : Zeigte Erdogan den „Islamisten-Gruß“?

Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine bei ihrer Ankunft am Flughafen Tegel. Bild: dpa

Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland grüßt der türkische Präsident aus seiner Limousine heraus. Doch handelt es sich dabei wirklich um den Gruß radikaler Islamisten? Es gibt noch eine andere Erklärung.

          Am Donnerstag, kurz nach seiner Ankunft in Berlin, passierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in seiner Limousine das Brandenburger Tor und grüßte türkische Landsleute mit der rechten Hand, deren vier Finger nach oben zeigten, der Daumen war aber nach innen gedreht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ist das ein Islamisten-Gruß? Für die Hand mit den vier ausgestreckten Fingern und dem eingezogenen Daumen gibt es zwei Erklärungen. Eine davon gab Erdogan im Januar. Er sagte, die vier ausgestreckten Finger repräsentierten das Grundverständnis der Republik Türkei: „Eine Nation, eine Flagge, eine Heimat, ein Staat“. Die Formel ist in verschiedenen Formen seit der Gründung der Republik 1923 üblich. Sie gilt als Kurzfassung der türkischen Nationalhymne aus dem Jahr 1921 und als Bekenntnis zu einem türkischen Einheitsstaat, in dem Minderheiten keinen Platz haben. So steht häufig an den Kasernen der türkischen Armee der Schriftzug: „Ein Staat, eine Flagge, eine Nation“. Türkische Nationalisten fügen oft hinzu: „Eine Sprache“.

          Erdogan deutete aber auch die zweite Erklärung an. Denn er sagte, dieser Gruß mit den vier ausgestreckten Fingern habe nichts zu tun mit dem gleich aussehenden Handzeichen, das zum Symbol des Widerstands gegen den Putsch vom Juli 2013 geworden ist, bei dem der ägyptische Präsident Muhammad Mursi gestürzt worden war. Denn bei einem Massaker wurden am 13. und 14. August 2013 mehr als tausend Anhänger Mursis getötet, die sich auf dem Platz Rabaa al adawiya zum Protest versammelt hatten. Da al Rabaa auch „die Vierte“ heißt, wurde das Handzeichen mit den vier ausgestreckten Fingern und dem eingezogenen Daumen zur Sympathiegeste für die islamistische Muslimbruderschaft.

          Erdogan steht Mursi nahe und hat dessen Sturz scharf kritisiert. Je nachdem, wo sich Erdogan für seine Vier-Finger-Geste entscheidet, kann er sich damit an türkische Patrioten oder Nationalisten wenden oder aber, was in einem rein islamischen Kontext der Fall ist, auch als Zeichen einer panislamischen Solidarität an nicht-türkische Muslime.

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