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„Wir haben die Tore geöffnet“ : Zehntausende Flüchtlinge an türkisch-griechischer Grenze

  • Aktualisiert am

Migranten lagern in der Nähe des türkisch-griechischen Grenzübergangs Pazarkule. Bild: Reuters

Nach der von Präsident Erdogan angekündigten Grenzöffnung kampieren inzwischen Zehntausende Im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland. Frontex erhöht die Alarmstufe und verstärkt die Grenzen.

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          Nach der angekündigten Öffnung ihrer Grenzen Richtung EU haben laut Angaben der Türkei bis zum Sonntagmorgen über 75.000 Menschen die Türkei verlassen. Das teilte Innenminister Süleyman Soylu via Twitter mit. Die UN-Organisation für Migration (IOM) sprach von deutlich weniger Menschen. Rund 13.000 Flüchtlinge, darunter  Familien mit kleinen Kindern, hätten entlang der 212 Kilometer langen Grenze eine kalte Nacht verbracht, teilte die Organisation mit. Die meisten hätten sich an Grenzübergängen in Gruppen von bis zu 3000 Menschen versammelt.

          Der IOM-Einsatzleiter in der Türkei, Ladfo Gvilava, sagte: „Die Zahl der Migranten, die sich über Edirne in Richtung Grenze bewegten, nahm im Laufe des Tages zu, als Autos, Taxis und Busse aus Istanbul ankamen.“ Die meisten, die unterwegs seien, seien Männer. Die Organisation verteile Essen und Vorräte. In der Nacht fielen die Temperaturen auf fast null Grad, auch der Wind sei ziemlich stark gewesen.

          Nach Angaben des Migrationsministeriums in Athen von Sonntag hinderte die griechische Polizei bislang 9600 Migranten daran, die Grenze zu überqueren. Zudem verstärkte das Land seine Einheiten an der Grenze.

          Der Migrantenzustrom aus der Türkei nimmt auch in der Ägäis zu. Allein auf der Insel Lesbos seien am Sonntagvormittag 220 Migranten angekommen, berichtete die griechische halbamtliche Nachrichtenagentur ANA MPA unter Berufung auf die Küstenwache. Reporter vor Ort berichteten, mehr Boote mit Migranten seien auf dem Weg aus der türkischen Ägäisküste nach Lesbos unterwegs. Die türkische Küstenwache beobachte diese Boote, ohne sie daran zu hindern nach Lesbos überzusetzen, berichtete der Athener TV-Sender Mega

          Die EU-Grenzschutzbehörde schickt derweil Verstärkung nach Griechenland. Auf Bitten des Landes habe Frontex die Entsendung von zusätzlichen Beamten sowie von Ausrüstung veranlasst, teilte eine Sprecherin der Behörde am Sonntag mit. Die Alarmstufe bei Frontex für alle EU-Grenzen zur Türkei sei auf „hoch“ angehoben worden.

          Am Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigt, dass die Türkei keine Flüchtlinge mehr von ihrem Weg nach Europa abhalte und gesagt, man habe die Grenze für Migranten geöffnet. Schon am Freitag hatten sich zahlreiche Migranten in der Türkei auf den Weg gemacht, um in die EU zu gelangen.

          Die Türkei hat bereits mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Ein Flüchtlingspakt mit der EU von 2016 sieht eigentlich vor, dass die Türkei Migranten vom Weg in die EU abhält. Zudem kann Griechenland illegal über die griechischen Ägäis-Inseln eingereiste Migranten zurück in die Türkei schicken. Im Gegenzug erhält Ankara unter anderem finanzielle Unterstützung.

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