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Zehn Jahre Afghanistan-Einsatz : McChrystal kritisiert Kriegsführung in Afghanistan

Stanley McChrystal mit Barack Obama im März 2010 Bild: AP

Vor zehn Jahren begann die Nato-Intervention in Afghanistan: Der frühere Kommandeur der internationalen Truppen McChrystal kritisierte in einer Rede zum Jahrestag, nur die Hälfte der Kriegsziele sei erreicht worden.

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          Der frühere Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan und pensionierte amerikanische Heeres-General Stanley McChrystal hat in einer Rede zum zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns die Ansicht vertreten, die Vereinigten Staaten hätten den Einsatz mit einer „erschreckend simplistischen Sicht“ auf das Land begonnen. „Wir wussten nicht genug und wissen immer noch nicht genug“, um den Konflikt zu einem erfolgreichen Ende zu führen, sagte McChrystal vor dem „Rat für Auswärtige Beziehungen“ in Washington.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten hätten bisher nur etwa die Hälfte des Weges zu ihren Zielen zurückgelegt, sagte McChrystal. Die wichtigste Aufgabe sei die Einsetzung einer legitimen Regierung, der die Afghanen vertrauen könnten und die als Gegengewicht gegen die Taliban wirke. Die Entscheidung zum Einmarsch im Irak im März 2003 hätten die Bemühungen zur Befriedung Afghanistans weiter erschwert, sagte McChrystal.

          Der General, der sowohl im Irak als auch in Afghanistan als Kommandeur eingesetzt war, musste 2010 als Befehlshaber in Afghanistan zurücktreten, nachdem abschätzige Bemerkungen einiger seiner Berater über die politische Führung in Washington bekanntgeworden waren. Aus jüngsten Umfragen unter Veteranen der Kriege in Afghanistan und dem Irak geht hervor, dass die meisten Soldaten ihren Kriegseinsatz für sinnvoll erachten, sich aber über mangelndes öffentliches Interesse und wenig Unterstützung für ihre Einsätze in Übersee beklagen.

          Der afghanische Präsident Hamid Karzai sagte dem britischen Sender BBC in einem am Freitag ausgestrahlten Interview, die Bemühungen, in seinem Land für Sicherheit zu sorgen, seien gescheitert. Das sei das „größte Versäumnis unserer Regierung und unserer internationalen Partner“, sagte Karzai. Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Michael Steiner, vertrat am Freitag die Auffassung, es gebe keine militärische Lösung im Afghanistan-Konflikt. Chancen auf Frieden biete die innere Versöhnungspolitik. Steiner ließ offen, wann genau und in welcher Form die ersten der derzeit 5000 Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden könnten. Darüber werde es Ende des Jahres „Klarheit“ geben, sagte er. Die Bundesregierung beabsichtigt, dann mit dem Abzug zu beginnen, „soweit es die Lage erlaubt“.

          War an der Planung des deutschen Afghanistan-Einsatzes federführend beteiligt: der ehemalige Generalinspekteur Harald Kujat
          War an der Planung des deutschen Afghanistan-Einsatzes federführend beteiligt: der ehemalige Generalinspekteur Harald Kujat : Bild: Marcus Kaufhold

          Der frühere ranghohe deutsche Nato-General Egon Ramms sagte der Zeitung „Die Welt“, die Lösung des Afghanistan-Konflikts sei „noch nicht richtig in die Hände genommen worden, vor allen Dingen nicht mit allen erforderlichen Möglichkeiten und Mitteln“. Er, Ramms, finde es „unerträglich, dass es im Prinzip keinen politischen Gesamtplan für Afghanistan gibt, der all diese Werkzeuge, die man in Afghanistan einsetzen kann und einsetzen muss, entsprechend koordiniert“. Ramms hatte das für Afghanistan zuständige Nato-Hauptquartier im niederländischen Brunssum geführt.

          Der SPD-Politiker und Bundestagsvizepräsident Thierse sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, der Einsatz in Afghanistan habe „Erwartungen und Hoffnungen so nicht erfüllt. Es war mehr Misserfolg als Erfolg.“ Der frühere Generalsinspekteur Kujat bezeichnete den Einsatz im selben Blatt als „gescheitert“ sofern „man aber das Ziel zum Maßstab nimmt, ein Land und eine Region zu stabilisieren“. Die Argumentation, dass es um einen Stabilisierungseinsatz und nicht um einen Kampfeinsatz gehe, sei zu lange durchgehalten worden, „auch mit Blick auf die innenpolitischen Befindlichkeiten“.

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