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„Zawahiri in Pakistan“ : Panetta glaubt Sieg gegen Al Qaida in Reichweite

  • Aktualisiert am

Verteidigungsminister Panetta mit dem scheidenden Kommandeur der Isaf-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus Bild: dpa

Der neue amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta hat sich zuversichtlich gezeigt, dass das Terrornetz Al Qaida besiegt werden könne. Die Extremisten strategisch zu schlagen, sei für Amerika „in greifbarer Nähe“, sagte Panetta in Afghanistan.

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          Der neue amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta hat sich bei seinem Antrittsbesuch in Afghanistan zuversichtlich gezeigt, dass im Kampf gegen das Terrornetz Al Qaida „ein strategischer Sieg in Reichweite“ sei. Nach der Tötung des Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin in der pakistanischen Stadt Abbottabad Anfang Mai müsse nun weiter „maximaler Druck“ auf die Terrororganisation ausgeübt werden.

          Washington habe zehn bis 20 Schlüsselfiguren der Al-Qaida-Führung in Pakistan, im Jemen und anderen Regionen identifiziert, sagte Panetta auf dem Flug nach Kabul. Diese Führungsfiguren müssten nun aufgespürt und ausgeschaltet werden, um dem Terrornetz eine möglicherweise entscheidende Niederlage beizubringen.

          Der Nachfolger Bin Ladins an der Spitze von Al Qaida, der Ägypter Ajman al Zawahiri, halte sich wahrscheinlich im schwer zugänglichen selbstverwalteten Stammesgebiet in Nordwestpakistan an der Grenze zu Afghanistan auf, sagte der Verteidigungsminister. Panetta, der sein Amt am 1. Juli von Robert Gates übernommen hatte, kam bei seinem zuvor nicht angekündigten Besuch kurz nach der Ankunft vom Samstag mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai zusammen. Das Treffen sei „sehr produktiv“ verlaufen, sagte Panetta.

          „Wir erkennen beide an, dass wir eine anhaltende Partnerschaft benötigen“, sagte Panetta nach dem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten. Panetta sprach auch mit den Ministern für Inneres und Verteidigung in Kabul. Außerdem traf er den scheidenden Kommandeur der internationalen Schutztruppen (Isaf) General David Petraeus. Der amerikanische Heeresgeneral wird im September Panetta als Direktor des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA nachfolgen. Auch Petraeus zeigte sich zuversichtlich, dass der Krieg gegen Al Qaida gewonnen werden könne. Nach Angaben von Petraeus befinden sich in Afghanistan derzeit noch „50 bis 100“ Al-Qaida-Kämpfer, die sich vor allem in den Ostprovinzen Kunar und Nuristan verschanzen.

          Bei neuerlichen Anschlägen in Afghanistan wurden am Wochenende sechs Isaf-Soldaten getötet. Zudem wurden in der westafghanischen Provinz Farah sieben entführte Minenräumer enthauptet. Wie die Regionalregierung am Sonntag mitteilte, gehörten die Opfer zu einer Gruppe von 32 Minenräumern, die vor rund einer Woche verschleppt worden war. Die Afghanen waren für eine private Hilfsorganisation tätig. Das Schicksal der übrigen Entführten ist unklar.

          Washington friert Militärhilfe ein

          Am Sonntagabend bestätigte der Stabschef des amerikanischen Präsidenten Obama, William Dale, dass Washington ein Drittel seiner jährlichen Militärhilfe für Pakistan einfriert. Dies hatten zuvor bereits amerikanische Medien berichtet. Waffen und Ausrüstung im Wert von 500 Millionen Dollar sollen nicht wie geplant an die Regierung in Islamabad geliefert werden, hieß es. Zudem sollen 300 Millionen Dollar vorerst nicht gezahlt werden, die als Beitrag zu den Kosten für die Stationierung von 100.000 pakistanischen Soldaten an der Grenze hätten gewährt werden sollen.

          Washington wirft Islamabad vor, nicht entschieden genug gegen Taliban-Kämpfer und das Terrornetz Al Qaida vorzugehen. Mit dem Schritt reagiert die amerikanische Regierung zudem darauf, dass Pakistan in den vergangenen Wochen mehr als 100 amerikanische Militärausbilder ausgewiesen beziehungsweise ihnen die Erteilung von Visa verweigert habe. Die Beziehungen zu Pakistan seien „schwierig“ und müssten erst wieder zum Funktionieren gebracht werden, sagte Dale dem Fernsehsender ABC.

          Pakistan reagierte auf Panettas Äußerung, Zawahiri befinde sich auf seinem Gebiet: Die Regierung forderte von Washington, alle Geheimdienstinformationen über den Verbleib des neuen Al-Qaida-Führers zur Verfügung zu stellen, um gezielte Aktionen in die Wege leiten zu können.

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