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Islamisten auf dem Vormarsch : Viele Tote nach Angriff auf Hotel in Moçambique

Schon seit langem sind die Menschen vor der Gewalt in der Region um Palma auf der Flucht Bild: AFP

Tagelang hatten sich etwa 200 Menschen in einem Hotel im Norden von Moçambique verschanzt. Dann versuchten sie, vor den islamistischen Angreifern zu fliehen. Es gab viele Tote.

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          Im Nordosten von Moçambique sind mehrere ausländische Entsandte und Moçambiquaner, die sich in einem Hotel vor Überfällen von islamistischen Kämpfern Tage lang verschanzt hatten, bei einem Fluchtversuch getötet worden. Wie es in Sicherheitskreisen und Medienberichten hieß, hatten die moçambiquanischen Sicherheitskräfte das Amarula Palma Hotel in der Stadt Palma am Freitagabend aufgegeben.

          Claudia Bröll
          (clb.), Freie Autorin

          Die etwa 200 verzweifelten Menschen, die sich teils im Tresorraum versteckt hatten, hätten daraufhin selbst versucht, eine Flucht zu organisieren. Von 17 Fahrzeugen im Konvoi seien jedoch nur sieben einem Hinterhalt der Terroristen entkommen, mehrere Menschen seien getötet worden. Einige seien in die Wälder geflüchtet oder in das Hotel zurückgekehrt. 

          Mindestens sieben Menschen seien bei dem Fluchtversuch getötet worden, sagte Regierungssprecher Omar Saranga am Sonntag. Zahlreiche weitere Zivilisten seien zuvor bei den Kämpfen in der Stadt getötet worden. 

          Das genaue Geschehen und die Zahl der Opfer sind weiter unklar, Telefonverbindungen in die Region wurden unterbrochen. Die Mutter eines getöteten Südafrikaners sagte der südafrikanischen Zeitung „Sunday Times“, es seien Boote zur Rettung versprochen worden, aber nie aufgetaucht. Die südafrikanische Sicherheitsfirma Dyck Advisory Group (DAG) soll Berichten zufolge die Angreifer aus der Luft beschossen und mindestens 20 Menschen mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht haben.

          Die Stadt ist größtenteils zerstört

          Auch außerhalb des Hotels herrschen Chaos und Verzweiflung, seit Palma am Mittwoch vergangener Woche angegriffen worden ist. Augenzeugen berichteten, die Stadt sei großenteils zerstört, die Kämpfe dauerten an. Der Nachrichtendienst Pinnacle News veröffentlichte Luftaufnahmen, auf denen Leichen auf einer Straße zwischen Lastwagen zu sehen sind. Es handle sich um die Fahrer, die versucht hätten, der Gewalt zu entfliehen.

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          Flüchtlinge aus der Stadt, die über das Meer entkommen wollten, befänden sich seit Tagen auf offener See, unter ihnen schwangere Frauen, Kranke und Verwundete. „Mehrere Zeugen berichteten, dass sie Leichen auf den Straßen und Anwohner auf der Flucht sahen, nachdem die Kämpfer wahllos auf Menschen und Gebäude geschossen hatten“, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit.

          Die Provinz Cabo Delgado befindet sich an der Grenze zu Tansania, ist knapp 2000 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Maputo entfernt. Seit dreieinhalb Jahren wird die Region von Angriffen islamistischer und anderer Gruppen erschüttert. Unweit der Stadt Palma befinden sich riesige Erdgasvorkommen, die gerade von internationalen Konzernen erschlossen werden. Es wird vermutet, dass sich unter den Menschen in dem Hotel viele Mitarbeiter der Unternehmen und ihrer Zulieferer befanden.

          Wenige Tage vor den Angriffen auf Palma hatte der französische Konzern Total bekannt gegeben, die Arbeit auf dem Gasfeld wieder aufzunehmen, weil sich die Sicherheitslage verbessert habe. Die Regierung habe eine spezielle Sicherheitszone mit einem Radius von 25 Kilometern garantiert. Jetzt wurde der Plan fallen gelassen. Die Stadt Palma liegt innerhalb der Zone.

          Abgesehen von moçambiquanischen Polizisten und Soldaten sind in der Region private Sicherheitsunternehmen wie Dyck und die russische Wagner-Gruppe im Einsatz. Beobachter vor Ort berichteten der F.A.Z. jedoch, dass Soldaten, private Sicherheitskräfte, islamistische Kämpfer und Banditen oft kaum voneinander zu unterscheiden seien.

          In dem Konflikt sind nach Angaben der amerikanischen Organisation Armed Conflict Location and Event Data Project (Acled) mehr als 2600 Menschen getötet und mehr als 700.000 vertrieben worden. 

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