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Chinas Zukunft : Groß, marxistisch, schön

  • -Aktualisiert am

Make China Great Again: Studenten sehen sich in Huaibei Xis Eröffnungsrede des Parteikongresses an. Der Jubel für den Parteichef ist groß. Bild: AFP

Xi Jinping skizziert China als moderne, orthodoxe Weltmacht. Den „chinesischen Traum“ will er mit Härte verwirklichen. Und einer starken, unumstrittenen Partei.

          Es war eine Geduldsprobe nicht nur für die mehr als 2300 Delegierten in der Großen Halle des Volkes, sondern vor allem für die „alten Führungs-Genossen“ auf dem Podium. Parteichef Xi Jinping nahm sich für seine erste Kongressrede sehr viel Zeit. Drei Stunden lang las Xi Jinping seine Rede vor seinem ersten Parteikongress, noch nie hat ein Parteichef einen solch langen Rechenschaftsbericht abgegeben.

          Unter einem riesigen Emblem von Hammer und Sichel hielt der 91 Jahre alte frühere Parteichef Jiang Zemin bleich und zittrig, aber tapfer aus, und neben ihm war auch der frühere Ministerpräsident Li Peng offensichtlich gesundheitlich nicht auf der Höhe. Andere ehemalige Parteiführer, darunter auch Xi Jinpings Amtsvorgänger Hu Jintao, der seinen letzten Kongressbericht in immerhin eineinhalb Stunden beendet hatte, lasen den Bericht brav mit.

          Großer Dank für die Parteiführung

          Die alten Führer demonstrierten mit ihrem Erscheinen die Einheit der Parteiführung. Wie der Partei-Usus es verlangt, scharten sie sich um „Xi Jinping als Kern der Führung“. Diese Führung beschwor Xi Jinping in aller Ausführlichkeit und immer wiederkehrenden Variationen. Dank der Führung der Partei sei China nach Unterdrückung und Imperialismus aufgestanden, dank der Führung der Partei sei China reich geworden, und nur unter der Führung der Partei könne das Land jetzt den großen „chinesischen Traum“ vom „Wiederaufstieg Chinas“ verwirklichen.

          Dank der Führung der Partei lebe das Volk außerdem in Sicherheit und Frieden, und die Zukunft, so verkündete es der Parteichef, sei strahlend. Die Partei müsse auch weiterhin alle führen und sich entschieden gegen alle Versuche wehren, die Vorherrschaft der Partei zu untergraben. Jeder Parteigenosse müsse mehr tun, um zu verhindern, dass die Führungsrolle der Partei verzerrt, unterminiert oder verleugnet werde.

          Xi Jinping hat viele Pläne

          Deutlich trug Xi Jinping auch sein ideologisches Credo vor. So viel Marxismus war schon lange nicht mehr in einer Rede eines chinesischen Parteichefs. Vor 100 Jahren gab uns die Oktoberrevolution den Marxismus, sagte Xi Jinping. Immer wieder zitierte er den sinisierten Marxismus als die Ideologie der Partei, als theoretische Grundlage des „Sozialismus mit chinesischer Prägung“. Mehrfach bezeichnete er die Kommunistische Partei Chinas als „marxistische Regierungspartei“. Chinas Ideologie werde weiter der „sinisierte Marxismus“ sein, erklärt Xi Jinping, der seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren die Repression von Bürgerrechtlern und die ideologische Kontrolle insgesamt verschärft hat.

          „Eine große Sache braucht die Führung einer großen Partei“, sagte Xi Jinping. Wie die große Sache aussehen soll, beschrieb er erst zum Ende seiner langen Rede den Delegierten. Er hat einen Plan, der den Kurs der Altvorderen fortschreibt. Bis zum Jahr 2035 soll die sozialistische Modernisierung „im Prinzip“ vollendet sein. Und im Jahr 2050 soll China eine führende sozialistische Großmacht sein.

          Ein „schönes China“ mit mehr Selbstvertaruen

          Die Volksrepublik China soll dann eine starke Wirtschaft, ein starkes Militär und eine gerechtere Gesellschaftsordnung haben. Die Umwelt soll sauber und die Entwicklungsunterschiede zwischen Stadt und Land sollen kleiner sein. Es werde harmonisch und ordentlich sein. Die Chinesen würden dann mehr Glück und Wohlstand genießen, und die chinesische Nation werde stärker und aufrechter in der Welt stehen. Ein „schönes China“ versprach der Parteichef. Bis dahin sei aber noch harte Arbeit zu leisten.

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