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Naturschutzorganisation WWF : Das Waterboarding der Wildhüter

  • Aktualisiert am

Sonnenaufgang im Chitwan-Nationalpark in Nepal Bild: EPA

Ein Bericht wirft der globalen Naturschutzorganisation WWF vor, Menschenrechtsverletzungen in Asien und Afrika unterstützt und gedeckt zu haben. Mitarbeiter sollen ein Netz von Informanten unterhalten und versucht haben, einen Waffendeal einzufädeln.

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          Das amerikanische Online-Magazin „Buzzfeed“ wirft der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) vor, kriminelle Wildhüter finanziell und logistisch zu unterstützen. In mehreren Ländern hätten die Parkschützer Gewalttaten nicht nur an mutmaßlichen Wilderern, sondern auch an unbeteiligten Zivilisten begangen, heißt es in dem Artikel vom Montag. Wildhüter und mit dem WWF kooperierende Paramilitärs hätten Aufgegriffene geschlagen, gefoltert oder sogar getötet. Auch von einer versuchten Vergewaltigung berichtet „Buzzfeed“. Laut dem Magazin haben sich die Vorfälle unter anderem in Nepal, Indien und Kamerun ereignet.

          Die Journalisten haben nach eigenen Angaben ein Jahr lang in sechs Ländern recherchiert, mehr als hundert Interviews geführt und tausende Seiten Dokumente ausgewertet, darunter vertrauliche Unterlagen und E-Mails. Das will „Buzzfeed“ herausgefunden haben: In mehreren Nationalparks, die vom WWF unterstützt werden, sollen mutmaßliche Wilderer oder unbeteiligte indigene Bewohner geschlagen, mit Macheten traktiert oder gar getötet worden sein. Lokale WWF-Mitarbeiter machten sich demnach zu Komplizen und sähen über Fehlverhalten hinweg. WWF-Mitarbeiter in Asien und Afrika sollen sogar mit für ihre Brutalität berüchtigten Einheiten zusammen Razzien in Dörfern organisiert haben. Auch soll die Organisation ein Netz von teils bezahlten Informanten unterhalten haben, um unter anderem indigene Gemeinschaften auszuspionieren und Wildhüter mit Informationen zu versorgen. „Buzzfeed“ veröffentlichte dazu den Entwurf eines Manuals („Nur zur internen Verwendung“) aus dem Juli 2015, in dem „Richtlinien zur Führung von Informanten“ detailliert werden. Öffentlich habe der WWF jedoch verneint, mit Informanten zusammenzuarbeiten. Auch sei die Organisation womöglich in ein Waffengeschäft in der Zentralafrikanischen Republik verstrickt.

          Waterboarding in Nepal

          Der WWF teilte mit, er nehme die Anschuldigungen sehr ernst und habe eine unabhängige Untersuchung der Fälle in Auftrag gegeben. Der WWF setzt sich seit knapp 60 Jahren weltweit für Naturschutzprojekte ein, etwa zur Rettung bedrohter Tierarten. Allerdings geraten die von der Organisation mitfinanzierten Wildhüter in vielen Nationalparks immer wieder in Konflikt mit der dort lebenden indigenen Bevölkerung. So prangert etwa die Organisation „Survival International“ seit Jahren Fälle von Misshandlungen, Folter und Tötungen durch Wildhüter im Kongobecken an. Andererseits sind auch die Wildhüter in den Nationalparks großen Gefahren ausgesetzt. Wilderei ist ein gut bezahltes kriminelles Geschäft; mit Nashorn, Elfenbein oder Tigerknochen werden Milliarden verdient. Immer wieder werden Ranger bei ihrer Arbeit von Wilderern getötet.

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