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Prozess um George Pell : Vatikan ermittelt gegen Kardinal wegen Zeugenbestechung

Kardinal Angelo Becciu soll Zahlungen in Höhe von 700.000 Euro von einem Konto des vatikanischen Staatssekretariats nach Australien veranlasst haben. Bild: AP

Wurde ein Zeuge bestochen, um George Pell aus dem Vatikan zu entfernen? Ein innerkirchlicher Gegenspieler des rehabilitierten Kardinals soll Hunderttausende Euro nach Australien überwiesen haben.

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          Im Vatikan prüfen die Strafverfolgungsbehörden derzeit laut einem Medienbericht, ob der frühere Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Zahlungen in Höhe von 700.000 Euro von einem Konto des vatikanischen Staatssekretariats nach Australien veranlasst hat. Die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ berichtete unter Berufung auf Quellen im Vatikan, die Zahlung könnte im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den früheren Präfekten des Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell, wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von zwei Minderjährigen stehen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Überweisung von 700.000 Euro an ein Konto der Nuntiatur in Canberra hat demnach den Verdacht der Ermittler geweckt, der damalige Substitut im Staatssekretariat könnte das Verfahren in Australien gegen Pell mit der Bestechung des Prozesszeugen vorangetrieben haben. Pell galt während seiner Amtszeit als Präfekt des 2014 von Papst Franziskus neugeschaffenen Wirtschaftssekretariats als maßgeblicher Gegenspieler Beccius. Er soll sich Pells Bemühungen um transparentere Finanzen widersetzt haben. Am Montag wurde der seit Februar 2015 in Canberra tätige Nuntius in Australien, der philippinische Erzbischof Adolfo Tito Yllana, von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Über Grund und Inhalt der Unterredung machte das Presseamt des Vatikans jedoch keine Angaben.

          Zeuge weist zurück, Zahlungen erhalten zu haben

          Pell war im Dezember 2018 in erster Instanz zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Berufungsgericht bestätigte den Schuldspruch im Jahr darauf. Das Oberste Gericht Australiens sprach Pell im April dieses Jahres jedoch in letzter Instanz von allen Vorwürfen frei, woraufhin Pell das Gefängnis verlassen konnte.

          Rückkehr in den Vatikan: Der australische Kardinal George Pell trifft am vergangenen Mittwoch auf dem internationalen Flughafen von Rom ein.
          Rückkehr in den Vatikan: Der australische Kardinal George Pell trifft am vergangenen Mittwoch auf dem internationalen Flughafen von Rom ein. : Bild: AP

          Der 79 Jahre alte Kardinal kehrte am 30. September nach mehr als dreijähriger Abwesenheit in seine Wohnung in den Vatikan zurück. Pells Mandat als Präfekt des Wirtschaftssekretariats, das seit 2017 für die Dauer des Verfahrens in Australien geruht hatte, endete im Februar 2019 und wurde von Papst Franziskus nicht erneuert. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin versicherte am Wochenende, die Rückkehr Pells nach Rom stehe in keinem Zusammenhang mit der Causa Becciu.

          Becciu war am 24. September von Papst Franziskus als Präfekt der Heiligsprechungskongregation abgesetzt worden. Auch seine Rechte als Kardinal wurden Becciu entzogen, den Titel behielt er jedoch. Die Entlassung Beccius, der von 2011 bis 2018 das wichtige Amt des Substituten im Staatssekretariat bekleidet hatte, soll wegen der Vergabe von Aufträgen in Höhe von 600.000 Euro an Unternehmen und Stiftungen seiner drei Brüder erfolgt sein. Auch für bisher verlustreiche Investitionen des Heiligen Stuhls in Londoner Luxusimmobilien soll Becciu verantwortlich sein. Der rehabilitierte Kardinal Pell hatte die Absetzung Beccius durch den Papst ausdrücklich begrüßt und die Hoffnung geäußert, Franziskus möge „das Ausmisten der Ställe im Vatikan fortsetzen“.

          Pells australischer Anwalt forderte unterdessen eine umfassende Untersuchung der Vorwürfe. Der Mann, der bei dem Missbrauchsverfahren gegen Pell als einziger Belastungszeuge ausgesagt hatte, ließ dagegen mitteilen, er habe niemals Geld dafür bekommen. „Mein Klient weist zurück, irgendetwas von Zahlungen gewusst oder Geld erhalten zu haben“, teilte dessen Anwältin Vivian Waller mit.

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