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Krise in Kabul : Woran der Westen in Afghanistan gescheitert ist

Ein Bild aus besseren Tagen: Wahlplakate von Parlamentskandidaten im Oktober 2018 in Kabul Bild: dpa

Von Beginn hat der Westen mit Kriegsverbrechern zusammengearbeitet. Afghanen, die an die Demokratie glaubten, waren in der Unterzahl. Eine Analyse aus persönlicher Sicht.

          8 Min.

          Seit Tagen füllen sich die sozialen Medien mit Abschiedsbotschaften junger Afghanen, die Kabul mit einem der letzten Rettungsflüge verlassen haben. Sie verabschieden sich nicht nur von ihrer Heimat, sondern auch von einem gescheiterten Projekt, das in den vergangenen zwanzig Jahren ihr Leben geprägt hat. Es war der Versuch, in Afghanistan einen neuen Staat zu erschaffen, der ein Mindestmaß an Freiheit und Rechten sichern sollte. „Der Rucksack war nicht groß genug, um all meine Träume darin zu verstauen“, schrieb einer. „Ich habe alles zurückgelassen, für das ich zwanzig Jahre lang gearbeitet habe“, schrieb ein anderer.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Es gibt viele Gründe dafür, warum dieser Staat am Ende wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel. Manche sind jüngeren Datums wie das verkorkste Doha-Abkommen der USA mit den Taliban im Februar 2020, das die afghanische Regierung vor vollendete Tatsachen stellte und den Taliban weder Gewaltverzicht gegenüber Afghanen noch messbare Zugeständnisse im Friedensprozess abverlangte. Andere Gründe liegen weiter zurück in einer Zeit, als das Fundament für die „Islamische Republik Afghanistan“ gelegt wurde, die es jetzt nicht mehr gibt. Dass die Armee am Ende kampflos aufgab, lag nicht nur daran, dass ihr die militärischen Mittel fehlten. Es lag auch daran, dass sie an den Staat, den sie schützen sollte, nicht glaubte.

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