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Moskaus Einmischung in London : Wollte die Regierung nichts wissen?

Der britische Premierminister Boris Johnson im Januar in Berlin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (rechts) bei der Libyen-Konferenz Bild: EPA

Der britische Geheimdienstausschuss hat ein Dossier über die Einmischung Russlands im Königreich vorgelegt. Mitglieder werfen der eigenen Regierung Versagen vor. Sie habe nicht versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

          3 Min.

          Mehr als sieben Monate hatte die Regierung den „Russland-Bericht“ des parlamentarischen Geheimdienstausschusses zurückgehalten, was die Erwartungen stetig steigen ließ: Gab es einen politischen Grund für den rätselhaften Aufschub, und lag der womöglich im brisanten Inhalt? Als das für die Öffentlichkeit redigierte Dossier am Dienstag schließlich in London vorgestellt wurde, sahen sich zumindest jene enttäuscht, die sich neue Details über die russische Einmischung im Königreich erhofft hatten. Dies allerdings machten Mitglieder des Geheimdienstausschusses zum eigentlichen Thema: Dass sich so wenige konkrete Informationen über Einflussnahmen aus Moskau präsentieren ließen, sei das Ergebnis eines „Regierungsversagens“. Die Regierung, gemeint waren wohl alle drei konservativen Regierungen, habe schlicht „keinen Versuch gemacht“, der Sache auf den Grund zu gehen, lautete das Verdikt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Der neue Vorsitzende Julian Lewis hatte sich erst vor wenigen Tagen gegen den Willen von Premierminister Boris Johnson an die Spitze des Ausschusses wählen lassen und war zur Strafe prompt aus der Konservativen Partei geworfen worden. Die Präsentation des Berichts überließ er zwei Mitgliedern, die an der 18 Monate dauernden Untersuchung beteiligt waren: Kevan Jones von der Labour Party und Stewart Hosie von der Schottischen Nationalpartei SNP, auch sie keine Freunde Boris Johnson.

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