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Bilanz des Nato-Gipfels : „Trump kennt nur Fans und Feinde“

Amerikas Präsident beim Nato-Gipfel: In Brüssel erklärt Donald Trump den Journalisten, wie er sich die Welt vorstellt. Bild: AP

Sicherheitskonferenz-Chef Wolfgang Ischinger wirft Amerikas Präsidenten vor, den Gipfel vermasselt zu haben – in „fast mafiöser Weise.“ Ein Gespräch am Rande des Gipfels.

          Herr Botschafter, auf dem Nato-Gipfel sind zwei, vielleicht auch drei Donald Trumps zu sehen gewesen: Der Gute, der Böse und der Hässliche. Welcher ist denn nun der Richtige?

          Ich glaube die sind untrennbar miteinander verbunden. Es ist ja nicht alles falsch, was er hier gesagt hat. Die Forderung nach der Erhöhung der Verteidigungsausgaben bleibt richtig. Hässlich ist allerdings, wie sie in fast mafiöser Weise vorgetragen wurde. Für die Umsetzung der Forderungen in Deutschland und anderen europäischen Staaten ist diese Form der Druckausübung kontraproduktiv. Kein Staats- und Regierungschef will zurückkehren und sich zu Hause vorhalten lassen, dass der amerikanische Präsident ihm Angst eingejagt habe und deshalb mehr Geld für Verteidigung ausgegeben werden muss.

          Warum geht er dann, um im Bild zu bleiben, wie ein Pate vor?
          Präsident Trump kennt nur Fans und Feinde. Den Begriff Alliierte kennt er nicht. Das wirft die Frage auf, wie wir mit einem Amerika umgehen, das mit multilateralen Strukturen eigentlich nicht mehr viel anfangen kann.

          Sie hatten vor dem Gipfel davor gewarnt, dass Donald Trump die Deutschen hier in Brüssel vor sich hertreiben könnte. Inwiefern hat sich das bewahrheitet?

          Er hat es zumindest versucht. Mich beeindruckt die coole Art, mit der die Bundeskanzlerin zumindest öffentlich darauf reagiert hat. Ohne Wutausbruch, sondern mit der ihr eigenen rationalen Art zu erklären, was unsere Position ist. Ich hätte wohl drastischere Worte gewählt. Aber vermutlich ist ihre Art viel klüger.

          Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, hier zusehen bei einer Pressekonferenz zur 53. Münchner Sicherheitskonferenz

          Wie wichtig war diese Reaktion für den Ausgang des Gipfels?

          Am Ende stand eine 34 Seiten lange Gipfelerklärung, bei der man nur sagen kann: Die Nato ist nicht nur in guter Form. Sie bewerkstelligt auch manches. Es stehen Bewerber Schlange, die in das Bündnis wollen, während sich die ersten Staaten aus der EU verabschieden. Das ist ein positives Narrativ, das durch den amerikanischen Präsidenten und seine Zwei-Prozent-Debatte vermasselt wurde.

          In wenigen Tagen reist Donald Trump zum Gipfeltreffen mit Russlands Präsident Putin nach Helsinki. Das Schicksal der Krim ließ er heute beunruhigend offen. Was erwarten sie von den Gesprächen?

          Das Treffen ist überfällig, notwendig und sinnvoll. Wir Europäer sollten es deshalb begrüßen, wenn auch nicht vorbehaltlos. Ich teile die Sorgen zum Thema Ostukraine oder Krim, insbesondere da wohl vereinbart wurde, dass es zu längeren Eins-zu-Eins-Gesprächen kommen wird. Ein amerikanischer Präsident, der noch nie solche Verhandlungen geführt hat, trifft auf den erfahrensten Staatsführer der Welt. Da wird die Methode Trump, erst einmal zu bluffen und zu drohen, überhaupt nicht verfangen. Ich würde eher vermuten: Wenn es halbwegs gut geht, könnte dieses Gespräch dennoch wichtige Schritte zustande bringen.

          Zum Beispiel?

          Man könnte sich etwa dazu entscheiden, Verträge zur Rüstungskontrolle fortzuführen. Auch im Bereich von Nuklearwaffen. Oder militärische Gespräche aufzusetzen. Es müssen aber auch nicht zwingend schon Ergebnisse dabei rauskommen. Wenn am Ende regelmäßige Gespräche zwischen den Außen- und Verteidigungsministern vereinbart würden, wäre das ein bedeutender Beitrag dazu, die Sorgen vor Russland in Europa zu mindern.

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