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Woher stammt das Ibiza-Video? : Hinweise auf Mittelsmänner

Heinz-Christian Strache am 18. Mai 2019 in Wien während einer Pressekonferenz, nachdem das „Ibiza-Video“ öffentlich geworden war. Bild: AFP

Ist der Kontakt zu der angeblichen Oligarchennichte über einen Wiener Anwalt angebahnt worden? Österreichische Medien berichten über mögliche Mittelsmänner hinter dem Video, das Vizekanzler Strache zu Fall gebracht hat.

          Österreichische Medien berichten über Hinweise über Mittelsmänner hinter dem skandalösen Ibiza-Video, das zum Rücktritt des bisherigen FPÖ-Vorsitzenden und Vizekanzlers Heinz-Christian Strache geführt hat. Strache hatte 2017 in einer Finca auf der spanischen Mittelmeerinsel einer vermeintlichen Nichte eines russisch-lettischen Milliardärs Vorschläge zur verdeckten Unterstützung und Staatsaufträgen als Gegenleistung gemacht. Doch die Frau war ein „Lockvogel“, die korrupten Angebote wurden heimlich gefilmt.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Die Zeitungen „Kurier“ und „Die Presse“ berichten nun, der Kontakt sei über einen Wiener Anwalt angebahnt worden, der auch schon früher Medien belastendes Material gegen FPÖ-Politiker angeboten habe. Der Anwalt habe Straches politischen Vertrauten Johann Gudenus, der wegen der Affäre ebenfalls zurückgetreten und inzwischen ganz aus der FPÖ ausgeschieden ist, zunächst wegen eines Grundstücks der Familie Gudenus kontaktiert: Die angebliche Milliardärin wolle nach Österreich umziehen und das Grundstück kaufen. „Das Ansinnen der Dame war, mit dem Kind nach Wien zu übersiedeln, Vermögen zu transferieren und Geld anzulegen. Die Ursprungsidee war unser Grundstück“, zitiert der „Kurier“ Gudenus.

          Die „Presse“ berichtet, der Anwalt habe einen Pass von „Aljona Makarowa“ vorgelegt, außerdem sei eine Summe als Beleg für die Zahlungsfähigkeit auf ein Treuhandkonto des Anwalts überwiesen worden. Bei der Gelegenheit sei der Mittelsmann aufgetreten, der auch bei dem aufgezeichneten Gespräch auf Ibiza dabei war und mit dem sich Gudenus mehrere Male getroffen hat – einmal auch noch nach dem Gespräch auf Ibiza. Der Mann habe in München ein Detektivbüro gehabt. Der Wiener Anwalt habe schon 2015 Mittelsmännern mehrerer Parteien Fotos angeboten, die angeblich Strache beim Empfang von Bargeld in einer Garage zeigten. Außerdem habe er Beweise für einen angeblichen Rauschgiftkonsum Straches in Aussicht gestellt. Die „Presse“ spekuliert, das Video sei von einem immer noch unbekannten Auftraggeber für den Wahlkampf 2017 produziert worden, der dann aber auf den Kosten „sitzengeblieben“ sein könnte.

          Gudenus äußerte sich auch gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Er befürchte, es gebe „weiteres Material, das mich in kompromittierenden Situationen zeigt“. Das sei neben dem bekannten Video ein weiterer Grund für den vollständigen Rückzug aus der Politik gewesen.

          „Benebelt, naiv und vertrauensselig – in dieser Kombination ein echtes Desaster“, so kommentierte Gudenus die bereits veröffentlichten Aufnahmen. Er bedauere, dass er das Treffen auf Ibiza mitorganisiert und damit Strache mit dieser Causa in Verbindung gebracht habe. Er selbst sei zu jener Zeit in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen. Außerdem stellt Gudenus die Möglichkeit in den Raum, er sei womöglich zusätzlich „mit K.o.-Tropfen oder ähnlichen Substanzen und Drogen“ gefügig gemacht worden. Ihm fehlten Erinnerungen über Stunden hinweg, er wisse nicht, was er in dieser Zeit gesagt oder getan habe. Er weise  damit aber keine Schuld von sich, er sei „naiv in die Fall gegangen“ und „erkenne mit Scham und Bedauern, was ich in dieser Zeit aufgeführt habe".

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