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Großbritannien nach dem Brexit : Künftig allein auf weiter Flur

Die britische Premierministerin May in Osaka im Kreise europäischer und südamerikanischer Staats- und Regierungschefs Bild: EPA

Nach dem Brexit werden die Briten sehen müssen, wo sie in der Weltwirtschaft bleiben – ohne die Verhandlungsmacht, welche die EU in die Waagschale werfen kann.

          Ein solches Bild wird es nicht noch einmal geben: die britische Premierministerin May in Osaka im Kreise europäischer und südamerikanischer Staats- und Regierungschefs, die den Abschluss des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens in heiterer Stimmung feiern. Das liegt nicht (nur) daran, dass sich Theresa May demnächst aufs politische Altenteil zurückzieht, gescheitert an dem Vorhaben, das Vereinigte Königreich auf geordnetem Wege aus der Europäischen Union zu führen. Der Grund ist vielmehr ebendieser Brexit, der Austritt aus der EU. Dann werden Briten und Nordiren eben sehen müsse, wo sie in der Weltwirtschaft bleiben – ohne die Verhandlungsmacht, die ein Verbund aus 28 Staaten und mehr als 500 Millionen Bürgern in die Waagschale werfen kann.

          Man hat den britischen und nordirischen Wählern eingeredet, dass andere Länder Schlange stehen werden, wenn nur endlich die Ketten gesprengt sind, welche das Königreich angeblich an die EU fesseln. Die Realität wird aber eine ganz andere sein. Niemand wird Schlange stehen; vielmehr ist es die EU, die in der Ära Trump einfährt, was handelspolitisch einzufahren ist.

          Das Vereinigte Königreich wird aber erst einmal allein auf weiter Flur sein, wenn es denn aus der EU ausgetreten sein wird. Deswegen hat das Bild von Osaka historischen Wert – es steht am Ende einer Zeit, in der nicht alles Gold war und vieles auch nicht glänzte, aber das Königreich immerhin zur Wirtschaftsgroßmacht namens EU gehörte. Das wird es bald nicht mehr.

          Bleibt nur zu hoffen, dass der Preis nicht zu hoch sein wird, den seine Bürger für die falschen Versprechungen und rückwärtsgewandten Phantasien entrichten müssen, welche den Austrittsbefürwortern vor drei Jahren zum Sieg verholfen hatten. Das Königreich solle „global“ werden, hatten die Propagandisten des Solodaseins verkündet. Aber das ist es ja schon, als Teil der EU. Noch, muss man sagen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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