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Wladislaw Surkow : Der Mann an Putins Seite

Mit einer Sondergenehmigung nach Berlin gereist: Wladislaw Surkow (Mitte) Bild: dpa

Beim Treffen im Kanzleramt in Berlin saß neben Wladimir Putin ein Mann, der nur dank einer Ausnahmegenehmigung einreisen durfte: Wladislaw Surkow. Er steht nämlich auf der Sanktionsliste der EU.

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          Zwischen dem russischen Präsidenten und dem deutschen Außenminister saß am Mittwochabend ein Mann im Kanzleramt, der normalerweise nicht in die EU einreisen darf: Wladislaw Surkow. Er ist Wladimir Putins Ukraine-Beauftragter und steht seit März 2014 wegen seiner Rolle bei der Annexion der Krim auf der Sanktionsliste.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Surkow hatte damals mit Trotz reagiert: Die Aufnahme sei eine „Nominierung zum politischen Oscar“ und eine „Feststellung, dass wir alles richtig machen“. So gehört es sich in Moskau, auch wenn man dort innerlich über Einreiseverbot und Kontosperren grollen mag. Aber im Fall Surkows soll sich die Sanktionierung tatsächlich vorteilhaft ausgewirkt haben.

          Surkow war seinerzeit gerade mit einer Mission in Kiew gescheitert, als Präsident Viktor Janukowitsch jäh die Flucht ergriff. Surkow, so schildert es der russische Journalist Michail Sygar, habe daraufhin mit seiner Entlassung gerechnet. Er machte mit seiner Frau Kurzurlaub in Stockholm, als ihn die Aufnahme auf die Sanktionsliste „rettete“, so Sygar: „Denn Putin konnte den von den Feinden Bestraften nicht zum zweiten Mal bestrafen.“

          Kurz darauf kümmerte sich Surkow dann um den Krieg im Donbass. Der Halbtschetschene hatte im Kreml lange als Chefideologe gedient; er ersann für Putins Machtsystem den Begriff „souveräne Demokratie“ und trieb die Abspaltung Abchasiens und Südossetiens von Georgien voran. Im Mai 2013 musste er von seinem damaligen Posten als stellvertretender Ministerpräsident zurücktreten, angeblich, weil er den Fehler gemacht hatte, auf eine zweite Amtszeit Präsident Dmitrij Medwedjews zu setzen und zuvor den Fehler, die Massenproteste gegen Wahlfälschungen nicht vorhergesehen zu haben.

          Doch schon im September 2013 war Surkow wieder da, als Putins Berater mit offizieller Zuständigkeit für Abchasien und Südossetien und inoffizieller für die Ukraine. Mit Victoria Nuland, der im amerikanischen Außenministerium für Europafragen zuständigen Abteilungsleiterin, traf sich Surkow mehrfach – aber auf russischem Territorium. Für die Berlin-Reise erhielt er nun laut Bundesregierung eine Ausnahmegenehmigung.

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