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Wladislaw Surkow : Der Macher beruhigt

  • -Aktualisiert am

Derzeit hinter Medwedjew: Wladislaw Surkow Bild: Reuters

Keine Sorge, beschwichtigt der stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung: Aus seinem Arbeitszimmer im Kreml lassen sich die übrigen Parteien bei Abstimmungen schon steuern.

          Wie russische Politik gesteuert und „Meinungen gemacht“ werden, weiß in Russland sicherlich kaum einer besser als Wladislaw Surkow. Er war Ideengeber, als vor einigen Jahren die Putin-Jugend „Naschi“ (Die Unsrigen) gegründet wurde, deren Kohorten nach Moskau gekarrt werden, wenn es politische Aufgaben im Interesse des herrschenden Lagers zu erledigen gilt. Surkow schenkte Putin auch das Konzept der „souveränen Demokratie“. Dessen Kernpunkt war die Behauptung, Russland dürfe sich eine Demokratie nennen und zugleich Rabatt bei der Verwirklichung demokratischer Werte beanspruchen.

          Von Surkow heißt es, er könne Parteien „machen“ und dass er Parteien im Auftrag seiner Oberen - zur Zeit sind das Ministerpräsident Putin und dessen Platzhalter im Kreml, Präsident Medwedjew - kontrolliere. Auch den landesweit sendenden Fernsehsendern, die für die meisten Russen die wichtigste Informationsquelle sind, lässt man Kontrolle angedeihen. Manche sprechen von Zensur. Auch dafür, heißt es, sei der stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Surkow zuständig.

          Gelernt ist gelernt, ließe sich dazu sagen. Denn Ende der neunziger Jahre war Surkow für „Öffentlichkeitsarbeit“ eines wichtigen Fernsehsenders, des ORT, zuständig. Das bedeutete, die Öffentlichkeit im Interesse des Patrons, des Oligarchen Boris Beresowskij, zu bearbeiten. Ein besseres Sprungbrett für den Absprung in die Präsidialverwaltung im Kreml war damals kaum vorstellbar, zu dem Beresowskij engste Beziehungen unterhielt. Surkow nutzte es.

          Als sich das politische Koordinatensystem dann mit dem Aufstieg Putins vor 12 Jahren von Grund auf zu verändern begann, distanzierte sich Surkow rechtzeitig von Beresowskij. Dass er in den neunziger Jahren auch auf der Gehaltsliste der Menatep-Bank von Michail Chodorkowskij, des neuen Staatsfeindes, gestanden und einträgliche Aufgaben an der Nahtstelle zwischen Oligarchen und einem schwächelnden Staat wahrgenommen hatte, fiel angesichts neuer Verdienste Surkows nicht mehr ins Gewicht.

          Masken und Scharaden

          Die frühen Kapitel in der Vita Surkows, der 1964 - oder war es doch 1962? - in einem tschetschenischen Provinznest als Sohn des Tschetschenen Dudajew und der russischen Mutter mit Mädchennamen Surkowa geboren wurde, oder die Dollars der Neunziger sind dennoch nichts, womit Surkow in der russischen Öffentlichkeit hausieren gehen würde. Die offizielle Kurzbiographie der Kremlverwaltung verschweigt mehr, als sie enthüllt.

          Surkow, über den in Russland viele in der politischen Klasse lieber nicht reden, um Probleme zu vermeiden, mag offenbar Masken und Scharaden - wohl auch wegen einer Jugendliebe zum Theater. Er vermag aber auch Trost zu spenden. Als in der Putin-Partei Einiges Russland wegen schlechter Umfragewerte vor der Parlamentswahl vom Sonntag manche Hose flatterte, weil die Zweidrittelmehrheit in Gefahr schien, beruhigte Surkow: Aus seinem Arbeitszimmer im Kreml ließen sich die übrigen Parteien bei Abstimmungen schon steuern.

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