https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wladimir-putin-ernennt-ramsan-kadyrow-zum-generaloberst-18365778.html

Per Dekret : Beförderung von Putin für Tschetschenenführer Kadyrow

  • Aktualisiert am

Ramsan Kadyrow (M), Anführer der russischen Provinz Tschetschenien, gestikuliert am 29. März 2022 vor etwa 10.000 Soldaten in der tschetschenischen Regionalhauptstadt Grosny Bild: dpa

Ramsan Kadyrow erhält den dritthöchsten Dienstgrad russischer Streitkräfte. Der für Menschenrechtsverletzungen viel kritisierte Machthaber will seine minderjährigen Söhne für Russland in den Krieg schicken.

          2 Min.

          Inmitten militärischer Rückschläge in der Ukraine hat der russische Präsident Wladimir Putin den autoritär herrschenden Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, zum Generaloberst befördert. Das Dekret über seine Ernennung sei bereits veröffentlicht, er sei Putin „unglaublich dankbar“ für die „große Wertschätzung“, schrieb Kadyrow am Mittwoch im Online-Dienst Telegram. Generaloberst ist hinter Marschall und Armeegeneral der dritthöchste Dienstgrad der russischen Streitkräfte.

          Der Kreml hatte am Montag den „heldenhaften Beitrag“ Kadyrows zur Offensive in der Ukraine gelobt. Der tschetschenische Präsident beteiligt sich daran seit ihrem Beginn intensiv. Tschetschenische Einheiten kämpfen im Land an der Seite der russischen Streitkräfte. Darunter ist auch Kadyrows unter dem Namen „Kadyrowzy“ bekannte berüchtigte persönliche Miliz.

          Am Montag hatte Kadyrow angekündigt, drei heranwachsende Söhne zu Kämpfen in die Ukraine zu schicken. Die zwischen 14 und 16 Jahre alten Jugendlichen Achmat, Selimchan und Adam seien bereit, ihre antrainierten Kampffertigkeiten nun bei der „militärischen Spezialoperation“ einzusetzen, schrieb Kadyrow am Montag auf Telegram. „Und ich scherze nicht. (...) Bald werden sie an die Front geschickt und werden sich an den schwierigsten Abschnitten der Kontaktlinie aufhalten.“ Dazu veröffentlichte er ein Video, das seine Söhne bei Schießübungen zeigt.

          Brutaler Führungsstil

          Kadyrow, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien im Nordkaukasus bekannt ist, hat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervorgetan. Er steht auch schon seit langem im Ruf, russische Gesetze ohne Folgen für ihn zu umgehen. Schon mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen nicht zuletzt die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. Kürzlich sprach er sich gar dafür aus, den Einsatz von Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft in Betracht zu ziehen. Zudem hatte Kadyrow einen anderen Generaloberst, Alexander Lapin, für dessen Rolle bei den Kämpfen um die kürzlich von ukrainischen Kräften eroberte Stadt Lyman kritisiert.

          Angesprochen auf Kadyrows harte Kritik am Verlauf des in Moskau weiter nur als „militärische Spezialoperation“ bezeichneten Kriegs sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag lediglich: „Die Regionalchefs haben die Befugnis, ihren Standpunkt zu äußern und Bewertungen abzugeben.“ Zur geplanten Heranziehung von Kadyrows Kindern als Soldaten äußerte er sich zunächst nicht.

          Der tschetschenische Machthaber wird wegen seiner von schweren Menschenrechtsverletzungen geprägten Amtsführung seit Jahren von internationalen Nichtregierungsorganisationen kritisiert.

          Kadyrow war vor seiner jetzigen Ernennung zum Generaloberst bereits dreimal zum General befördert worden - jeweils der Streitkräfte des Inneren, der Polizei und der Nationalgarde Tschetscheniens.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ausnahmsweise ohne Buch in der Hand: Buschmann im Sommer bei der Kabinettsklausur in Meseberg

          Die zwei Justizminister : Wer ist Marco Buschmann?

          Fußnoten-Liebhaber und Musikproduzent: Justizminister Buschmann pflegt eine widersprüchliche Selbstinszenierung. Wenn es um seine Überzeugungen geht, ist vom braven Aktenmenschen aber nicht mehr viel übrig. Dann kämpft er hart.
          Französischer Doppeldecker über einer Industrieanlage im Ruhrgebiet: Die Besetzung wegen ausstehender Reparationszahlungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs begann im Januar 1923 und dauerte bis 1925.

          Das Jahr 1923 : Das Weimarer Doppelgesicht

          Ruhrbesetzung, Hitler-Putsch, linke Umsturzpläne, nationalkonservative Attacken, Hyperinflation: Die Weimarer Republik überstand 1923 einige Gefahren. Fünf neue Bücher widmen sich diesem Jahr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.