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Wjatscheslaw Ponomarjow : Der Führer aus dem Nichts

  • -Aktualisiert am

Wenn er lächelt, blitzen goldene äußere Schneidezähne auf: Wjatscheslaw Ponomarjow Bild: dpa

Er behauptet, 2500 Kämpfer unter sich zu haben. Doch das ist schwer zu kontrollieren. Wie so manches, was man über den selbsternannten Volksbürgermeister von Slawjansk erzählt.

          Der Mann, der seit zwei Wochen die ostukrainische Kleinstadt Slawjansk nach dem Faustrecht regiert und nach eigenen Angaben 40 Geiseln in seiner Gewalt hält, ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Nein, besonders bekannt sei dieser Wjatscheslaw Ponomarjow hier nicht gewesen, antworten viele der Flaneure auf dem Leninplatz vor der mit säuberlich aufgetürmten Sandsäcken verbarrikadierten Stadtverwaltung. Manche hatten noch nie von ihm gehört, bis sich Ponomarjow zum „Volksbürgermeister“ erklärte und mit seinen maskierten und bewaffneten Männern die Kontrolle übernahm.

          Auch in Interviews und bei den Pressekonferenzen im holzvertäfelten Saal der Verwaltung, zu denen Ponomarjow inzwischen täglich einlädt, gibt er nicht viel von sich preis. Meist sitzt der Mann mit den kurz rasierten grauen Haaren in einer dunklen Kapuzenjacke am Tisch. Wenn er lächelt, blitzen goldene äußere Schneidezähne auf. An seiner linken Hand sollen zwei Finger fehlen, doch Ponomarjow hält seine Hände stets so verschränkt, dass man dies nicht sehen kann.

          Warum ausgerechnet er?

          Dem Vernehmen nach ist er 48 Jahre alt und hat Militärdienst in der Nordmeerflotte geleistet. Er soll eine Haftstrafe abgesessen und bis vor kurzem eine Seifenfabrik in Slawjansk geleitet haben. Manche Leute behaupten jedoch, dass es diese Fabrik schon lange nicht mehr gibt. Der Ort, an dem sie nach den Angaben eines lokalen Taxifahrers gestanden haben soll, entpuppt sich als ein Trümmerfeld in einem Industriegebiet am Stadtrand.

          Warum nun ausgerechnet dieser Ponomarjow den lokalen Kampf gegen die neue ukrainische Regierung in Kiew anführt, ist genauso unklar, wie es die Machtergreifung des halbseidenen Geschäftsmannes Sergej Aksjonow auf der Halbinsel Krim Ende Februar war.

          Unzweifelhaft ist, dass Kiew die Ordnungsmacht in der etwa 120.000 Einwohner zählenden Stadt Slawjansk inzwischen vollständig an Ponomarjows Freischärler verloren hat. Ponomarjow behauptet, mindestens 2500 Kämpfer zu haben, was schwer zu verifizieren ist. Dem Augenschein nach sind sie jedoch wenigstens mehrere Hundert. Die Männer besetzten neben der Stadtverwaltung auch das Geheimdienstgebäude und die Polizeiwache. Rund um die Stadt herum haben sie Straßensperren aus Autoreifen aufgebaut und kontrollieren einreisende Autos auf Waffen.

          Sein Ziel bleibt unklar

          Es sind junge oder mittelalte Männer in zusammengewürfelten Militäroutfits, die auch ohne Maske vor den besetzten Gebäuden Wache halten. Zwischen ihnen bewegen sich professionell wirkende bewaffnete Kämpfer  in grünen Uniformen und schwarzen Masken. Sie ähneln den hier als „grüne Männchen“ bezeichneten Kämpfern, von denen Moskau bestreitet, dass es sich um russische Militärs handelt.

          In eklatantem Widerspruch zum martialischen Auftreten vieler der Männer steht Ponomarjows Sprecherin, Stella Choroschewo, eine zierliche Frau mit grauem Kurzhaarschnitt, die meist im Blazer anzutreffen ist. Sie hat zwischenzeitlich in Italien gelebt und setzt sich nun leidenschaftlich für die Belange des Separatistenführers ein. Mitunter erzählt sie mit backfischhaftem Lächeln, sie habe in ihrer Jugend von einer Diplomatenkarriere geträumt, sich dann aber doch nicht getraut, sich zu bewerben.

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